Donnerstag, 7. August 2014

ETAPPENWEISE II

Nichts geschieht ohne Grund. Wenn Zwei sich finden und miteinander bleiben möchten, ohne Bedingungen zu stellen und ohne dabei zu rosarot zu sein. Mit dem Bewusstsein, dass nie alles so bleibt. Aber so viel Gutes passieren darf.


Wenn es sich richtig anfühlt, das zu feiern. Eine weitere Etappe zu besiegeln. Nicht nur allein und nicht nach einem bestimmten Schema, dem doch so Viele folgen und sich darin etwas verloren fühlen - wie in einem zu großen Kleidungsstück, das immer verrutscht oder einem leeren Raum, in dem alles, was man tut, eine Spur zu laut hallt.



Vorbereitungen treffen. Rechtzeitig innehalten und sich bewusst machen, was man wirklich mag, wer man ist, und dann gleich viel leichter einen roten Faden durch die ersten Gedankengänge fädeln. Detailverliebtheit aufsprengen und aus vielen kleinen Ideen eine machbare Umsetzung herausarbeiten, ohne den ganzen Alltag auf den Kopf zu stellen oder das Leben viel zu lange einzufrieren. Das herrliche Gefühl festhalten, nach langer Suche plötzlich in einem alten Hof mit Ecken und Kanten zu stehen und in Gedanken eine Glühlampenkette in die Bäume zu hängen. Plötzlich sind dort Bilder, wo kein jahrelang gehegter Kleinmädchentraum vergraben ist. Bilder, in denen sich Beide wiederfinden.


Liebe Menschen mit einbeziehen, abgeben und vertrauen lernen. Auch Fremden, deren Expertise man kennen und immer wieder schätzen lernt. Eine Zeremonie haben dürfen, ohne sich nutznießend an unbekannten oder aus bestimmten Gründen aussortieren religiösen Ritualen zu bedienen, die manchmal auch Persönlichkeit mit zu viel Förmlichkeit ersticken. Drei Lieder, zwei Versprechen, unsere Geschichte, ein langer Faden, ein Quittenbaum und viele gute Wünsche.



Ruhe bewahren, die lang gedehnte Vorfreude auskosten. In der Nacht vorher plötzlich furchtbar unruhig werden und auch in dieser Situation wissen, warum man den anderen an seiner Seite schätzt. Sich bei seinem stolzen Papa einhaken, langsamen Schrittes merken, wie sämtliche Feuchtigkeit aus den Mundwinkeln in die Augenränder kriecht. Herzklopfen. So viele bekannte Gesichter anstrahlen und dankbar zuhören. Sich laut etwas sagen - es dürfen alle hören. Man könnte noch so viele Worte ergänzen, aber dafür gibt es zum Glück so viele passende kleine und große Momente. Und uns.


Ein Nachmittag im Garten. Gelassen und sommerlich. Dazu Musik aus einer anderen Zeit. Ein großes Wiedersehen. Immer wieder stehen und staunen. Alles und alle genau anschauen und einprägen. Die Zeit verfliegt im Nu und im Kopf läuft bereits die erste Zeitlupenepisode.


Gemeinsam am Tisch sitzen, Gutes essen. Schüsseln herumreichen, ausgelassen sein. Das Abendlicht sprenkelt die Wände, ich sitze neben dir und kann immer noch nicht aufhören zufrieden und so furchtbar dankbar in die Runden zu schauen. Wieder alles einzufangen. Die großen Pfingstrosen, die Bergschnüre, die Falträder, die Blumenlollies, unsere kleinen versteckten Bergsteiger, die Töpfchen und Schalen und Spieße, die Farben des Weines, die schwebenden Zahlen, die Pünktchen auf deiner Fliege. Ich sammle bis spät in die Nacht. Tänze, Tränen, Umarmungen, Küsse, Freude, Freundschaftsworte, Gesten, Anekdoten. Wir spielen uns unseren Hochzeitstanz. Zu Cello und Gitarre stimmen plötzlich alle ein. Auch dieses Bild bewahr ich mir.



Genau so war es für mich perfekt. Am nächsten Tag der erste Gedanke: "oh bitte noch mal". Wir hatten einen so guten Grund. Große und kleine Feste feiern sollte man sein Leben lang. Sie gehen nah. Aber genau dafür lohnt es sich!

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Von Herzen danke für

schöne Fotos: Wim Jansen (hier 5, 10, 11, 12, 13)
passende Blumen: Jasmin Centner
einzigartige Papeterie: Atelier de Mey
individuelle Schneiderhilfe: Galatea Ziss
persönliche Worte: Simone Pfundstein
herrliches Essen: Nykke&Kokki
beste Unterhaltung: Psycho Jones
den richtigen Ort: Familie Lüll

Donnerstag, 24. Juli 2014

SOMMERNOTIZ

Eine ungeplante Sommerpause. Statt Wünsche an die warmen Monate zu schreiben, bin ich einfach mittendrin. Und genieße. Brombeer- und Aprikosenessend, Feste feiernd, reisend, sortierend aber auch ruhend. Ein guter Sommer!



Noch mehr Sommerfröhlichkeit:
  • Alles mit Tomaten. Sie schmecken so gut derzeit!
  • Kleine Ofenartischocken mit extra viel Zitronen-Minz-Bröseln.
  • Nigel Slaters Tender Früchte durchblättern und mit ihm gemeinsam schwarze Johannisbeeren einkochen und kleine rotwangige Aprikosen für Tartekreise überbrühen
  • Sehen, was andere machen. Ausstellungen und Festivals besuchen. Tief beeindruckt kam ich vom Lumix Festival für jungen Fotojournalismus zurück. So viele kleine und große Geschichten aus der Welt, die ganz schön berührten!
  • Einfach noch mal raus gehen und in den Sommerabend ziehen. Auch wenn man müde und gemütlich ist.
  • Erfrischendes: Eiskalte Melone, Minzeis mit Schokoladenstückchen, knackig kalte Kirschen
  • Eine Woche in Wien. Verliebt. Dort möchte ich mal länger wohnen.
  • Ein ganzer Stapel Mix-Musik von lieben Menschen und drei neue Bäumchen
  • Sommersturm und eine geflutete Straße, die ehrfürchtig staunen ließen
  • Das Quietschen, wenn die Autofenster gekurbelt werden
  • Ein kleines Küchenprojekt: schwarze Nüsse
  • Die nächste Spätsommerreise im Atlas anschauen, die letzte ist schon wieder zu lang her aber endlich als gute Reise zu sehen
  • Mittagessenverabredungen
  • Mal wieder in der Bibliothek sein
  • Zeit vertrödeln
  • Sonnencremegeruch- und Salzlippensehnsucht!
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Ich bleibe erst mal im Sommertempo und koste aus. Die ein oder andere Notiz wird hier dennoch ihren Platz finden. Für deinen Sommer nur das Beste!

    Dienstag, 17. Juni 2014

    TEEWISSEN: TEESORTEN & ANBAU

    Dieses mat & mi Jahr ist ruhig und bedacht. Bevor ich von schönen Momenten berichte, die mich derzeit sommerfröhlich machen, halte ich noch kurz inne und treffe mich auf eine weitere Tasse Tee mit dem Teefräulein Jane. Dieses Mal verrät sie spannendes über Teesorten, Teewirkung, Teeanbau und -ernte. Und sie klärt auf, wie der hoch erscheinende Preis für Matcha-Pulver zustande kommt.



    Donnerstag, 29. Mai 2014

    HOLUNDERGLÄSER

    Bevor es mit der nächsten Tasse Tee weiter geht, wird noch schnell der Holunder eingefangen. In diesem Jahr fehlt mir die Sirupgeduld, aber das Geleerühren nehme ich gerne wieder auf. Sehr gerne sogar. Die ersten duftenden goldenen Gläser stehen im Schrank!


    Holunderblütengelee 
    (für 3 Gläser à 250 ml)

    10-15 Holunderblütendolden
    500 ml Wasser
    300 ml klarer Apfel- oder Quittensaft
    1 Biozitrone
    400 g Gelierzucker 2:1

    Die Dolden ausschütteln und mit dem Wasser und dem Apfelsaft in eine Schüssel geben. Die Schale der Zitrone abreiben, die Zitrone halbieren und eine Hälfte auspressen. Die andere Hälfte bis zum nächsten Tag aufheben. Saft und Schale unter die Holundermischung rühren. Die Schüssel abgedeckt über Nacht in den Kühlschrank stellen.

    Am Folgetag die Flüssigkeit durch ein feines Sieb oder Passiertuch in einen großen Topf abgießen und gut ausdrücken. Den Zucker unterrühren, die aufgehobene Zitronenhälfte auspressen und ebenfalls dazu geben.

    Drei Marmeladengläser (je 250 ml) sterilisieren und bereit stellen. Die Geleeflüssigkeit aufkochen lassen und unter Rühren etwa 5 Minuten sprudelnd kochen. Sofort die Gläser randvoll füllen und fest verschrauben.

    Auch gut: Juliane aromatisiert ihr Gelee zusätzlich noch mit Orangensaft und -schale, Susanne nimmt Birnensaft als Basis und Nina macht ein wenig Schwips rein. 

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    Und bei euch? Sind die ersten Marmeladengläser schon gefüllt?

    Freitag, 16. Mai 2014

    TEETRINKEN MIT DEM TEEFRÄULEIN JANE KORTE

    Zu Beginn des Jahres nahm ich mir vor, mehr über Tee zu lernen. Passenderweise kam ich mit einem richtigen Teefräulein in Kontakt, seither fand ein reger Austausch statt. Mein neues Teewissen möchte ich euch nicht vorenthalten. Bevor es aber ans Eingemachte geht, freue ich mich sehr, euch Jane Korte erst mal angemessen vorzustellen:


    Jane, stimmt es, dass du eine waschechte Ostfriesin bist?
    Auf jeden Fall wurde ich in meiner Kindheit oft genug mit ostfriesischem Wasser gewaschen und direkt im Anschluss an die Muttermilch mit Ostfriesentee versorgt: Mein Großvater mütterlicherseits war blütenreiner Ostfriese, heiratete eine begeisterte Ostfriesenteetrinkerin aus dem Oldenburger Münsterland und erlaubte einem jungen Schlesier aus Nordfriesland, seine zweite Tochter zu heiraten. Ich wurde in Oldenburg geboren, habe meine Kindheit dort, in der Wesermarsch und bei Verwandtschaftsbesuchen auch mal im ostfriesischen Detern bei Leer verbracht. Überall dort trank man Ostfriesentee, fünfmal am Tag und zwischendurch auch…
    Seitdem gehört Tee zu mir wie meine Sommersprossen, ich habe ihn wohl in meinem Blut und vor allem in meiner Seele.


    Wolltest du immer schon beruflich etwas mit Tee machen? Und wie wird man eigentlich eine richtige Tee-Sommelière?

    Sonntag, 11. Mai 2014

    WENN VIEL LOS IST...

    Daumen drücken, Augen aufhalten, Pläne jonglieren. Die erste Jahreshälfte fordert heraus, zeigt worauf es ankommt, bremst und beschleunigt, leider eher unkoordiniert. Das kann ganz schön überwältigen, ordentlich müde machen und ins Herz kneifen. Es bringt aber auch kostbare geteilte und sehr persönliche Augenblicke, die man nicht verlegen und verlieren möchte, damit man sie immer wieder abrufen kann, wenn man sie mal dringend braucht. Ich lerne, wachse, akzeptiere, verstehe. Nichts passiert ohne Grund.

    Wenn viel los ist, bleibt so Manches liegen. Wenn viel los ist, können mich die kleinsten Dinge freuen. Wenn viel los ist, konsumiere ich lieber Erlebnisse als volle Taschen nach Hause zu schleppen, deren Inhalte mich einengen. Wenn viel los ist, ist im Kopf kein Platz für Kompliziertes. Wenn viel los ist, kann mich Erdbeerbrot sehr glücklich machen. Wenn viel los ist, werde ich lieber leiser, damit ich genau hinhören kann.

    Um neuen Überblick zu gewinnen, werden die Schalen und Teller mit einfachen und bewährten Kreationen gefüllt. Sie freuen und beruhigen. Einfach und gut. Nur ein kleines Tamtam. Das reicht erstmal. Die Clafoutismenge habe ich mittlerweile für die zwölf Muffinmulden optimiert und die Mohnkörnchen dürfen ebenso wie Mandelsplitter ab und zu darin untertauchen.



    Samstag, 19. April 2014

    KÄSEKUCHENOPTIMIERUNG

    Ich erzähle euch eine kleine schöne Käsekuchengeschichte. Ich saß letzten Sommer in Regensburg auf einem Fest der drei bezaubernden Schwestern. Je später der Abend, desto begehrter war die Nachtischtafel. Dort stand ein Käsekuchen. Ich konnte noch nicht ahnen, dass es DER Käsekuchen sein sollte. Der, der genau so war, wie ich Käsekuchen mag. Unendlich cremig, nicht zu süß, nicht zu sauer, schön fluffig und nicht nach klebrigem Quark schmeckend. Mit knuspersalzigem Boden. Um mich herum wisperten sich die Gäste untereinander zu, wie köstlich dieser Kuchen sei. Ja geradezu der beste, den sie je gegessen haben. Manche darauf bedacht, es nicht allzu laut zu erwähnen, damit ihnen ein weiteres Stück nicht vor der Nase weggeschnappt wird. Könnte ein Kuchen erröten, so hätte er an diesem Abend wohl verlegen geglüht. Und ich drückte freudig zufrieden die Kuchengabel in mein Stück.

    Anna verriet mir ihre Rezeptquelle. Deb Perelman von smitten kitchen hatte diesen Kuchen angepriesen. Beim Einlesen merkte ich, dass man, wenn man schon nach dem perfekten Käsekuchen sucht, ein wenig Abenteuer in Form von interessanten Backofentemperaturexperimenten (250°C! kaum zu glauben!) und die Gabe der schnellen Entscheidungsfreudigkeit und flinken Reaktion benötigt. Aber ich traue ihren Rezepten, sie hat es unter anderem sogar geschafft, dass ich meine erste Biskuitrolle ohne Bruch erfolgreich auf- und wieder ausrollen konnte. Es lohnt sich, ihr Cheesecake-Rezept in Ruhe bis ans Ende zu lesen. Die mittlerweile mehr als 600 Kommentare, die die ganze Bandbreite der enttäuschten Misserfolge bis hin zu Lobgesängen auf diesen großartigen Kuchen abdecken, kann man zwar querlesen, sollten aber nicht entmutigen.