Donnerstag, 19. Mai 2016

VON BAD GASTEIN NACH NORDITALIEN

Es ist schon fast zwei Sommer her. Wir hatten drei freie Wochen und wollten diese in Italien verbringen. Eher im Norden. Wir ließen uns ein wenig von schönen Reisefotos leiten, die wir immer mal wieder zufällig fanden.
Auf dem Hinweg besuchten wir noch das einer verlassenen Filmkulisse gleichende Bad Gastein (herrlich!) und verbrachten die restliche erste Woche in Friaul-Julisch Venetien. Dann eine Woche Toskana und eine Woche Ligurien. Ein etwas entspannteres Reisetempo, schließlich reiste da bereits im Bauch der kleine Junge mit. Ein Abstecher nach Rimini war auch noch drin, dort wollte ich schon immer mal hin. Einfach weil mir der Name gefällt. Und weil dort die Sonnenschirme so schön bunt sind.

Ansonsten mieden wir die großen bekannten Städte und überließen die Ausflüge einfach dem Zufall. Wir fanden beeindruckende Schluchten, farbenfrohe kleine Törtchen, versteckte dick belegte Seitengassensalamisandwiches, Hinterhofromantik mit der immergleichen Schlager-Kassette, die die alte Nachbarin nachmittags zur immergleichen Uhrzeit aufdrehte und freudig mitschmetterte, hauchdünn geschnittene Mohnnudeln, köstliches stundenlang gekochtes Brassato und mit der Hand zu essende frittierte Zucchiniblüten als Primi, alte Strandbäder, Weichspülerduft in kleinen Dörfchen, Safraneis mit Stückchen, Unwetterspektakel und immer wieder kleine Details, die das (auffällig kulinarische) Erinnern bis heute verschönern.


Ligurien mochte ich am liebsten. Während mir die Toskana irgendwie zu gestutzt erschien, war es dort rauher, echter. Man konnte vergangene mondäne Seebadzeiten erahnen, wirklich gut essen, in die Höhe oder zum Wasser fahren - meist auf engen kurvigen Straßen. Es gab filmkulissentaugliche Dörfchen, viele Oliven und ein sehr angenehmes Klima.
In Ligurien aß ich auch ein Gemüse, von dem ich euch bald noch mehr erzählen werde.

Diese Reise wollten wir nicht unterschlagen und sie ist nun zweigeteilt und chronologisch eingeordnet auf unserer Gute-Reise-Seite zu finden.

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Ein ans Herz gelegtes Muss fürs Handschuhfach: Slow Food Osterie d'Italia!

Samstag, 30. April 2016

ZU GAST BEI CHESTNUT & SAGE

Heute darf ich Gast sein. Bei Julia von chestnut & sage. Wenn ihr sie noch nicht kennt, dann ist dies eine Herzensempfehlung. Ihr Blog ist hell, strukturiert, immer wieder schön anzuschauen, die Rezepte farben- und aromenfröhlich und die Texte geist- und lehrreich. Ich nehme mir immer etwas mit. Und da sie gerne reist, verrät sie auch immer wieder besondere Reisetipps. Und hoffentlich kann ich eines Tages Teil ihrer Gastfreude sein.

Julia hat mir fünf gute Fragen gestellt, die Antworten findet ihr hier.

Montag, 18. April 2016

ENERGIEBAUKASTEN

Es gibt Tage, da muss ein bisschen Extra-Energie her. Sie darf gesund sein, aber ruhig auch irgendwie belohnend schmecken. Ein bisschen wie Teiglöffel ablecken. Ich brauche kleine Happen, die ich im Mund verschwinden lassen kann, ohne dass der kleine Junge sie direkt entdeckt. Und er ist ein guter Beobachter.
Die Eigenschaften der verschiedenen Zutaten ergänzen sich zu einer klebrigen schnittfesten oder rollbaren Masse. Legt man einmal los, kommt die Lust am Geschmackstüfteln von ganz allein. Dankbare Abnehmer gibt es auch, vor allem Lernende, frischgebackene Eltern oder Reisende.


Hier der kleine Energiebaukasten - und wie das bei der Wissenschaft so ist, es darf experimentiert und angepasst werden, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist!
  • Die Grundmasse muss klebrig sein. Prima sind also Medjool-Datteln, getrocknete Aprikosen oder Pflaumen. Oder Feigen oder oder. Ruhig zwei Hände voll.
  • Dann eine Hand voll Nuss. Manche nehmen auch noch die zweite Hand. Eine Sorte oder nach Belieben gemischt. Statt Nuss kann man sich aber auch an Kernen versuchen, wie z.B. kurz geröstete Kürbis- oder Sonnenblumenkerne.
  • Dann kommen die Aromen: eine gute Prise Salz ist Pflicht, gern auch in Flockenform. Was dann noch hineinrieseln darf ist wieder dem Geschmack und dem Vorrat zu verdanken. Von Anis bis Zitrusschale. Alles erlaubt.
  • Und für ein wenig optionale Extravaganz: ein wenig Extrafett. In Form von Nussmus oder Kokosöl. Muss aber nicht! Oder Extraknusper: Flakes, gerösteter Mohn oder Sesam oder Amaranth.
  • Und für gutes Aussehen: Kakaopulver oder Kokosflocken und/oder andere Sprenkel für die Masse oder die finale Wälzung. Hier darf man als Maß beherzt den Esslöffel einsetzen. Manchmal sogar doppelt.

Ein Blitzhacker oder eine Moulinette mit ausreichend Kraft übernehmen dann schon die meiste Arbeit. Fein hacken und grob mischen. Dann übernehmen die Hände, so dass alles gut zusammenhält. Nun sollte die finale Form feststehen. Wer schneiden will, formt einen flachen Block, wer rollen will macht eher eine große Kugel. Nach einer Kühlpause, etwa eine halbe Stunde, kann dann die Masse in Häppchenform gebracht und gewälzt oder nicht gewälzt aber auf jeden Fall luftdicht und eher kühl verpackt werden.

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Das Fräulein Text hat die Erdnussvariante bereits perfektioniert und Frau Gold legt uns ihre Kokosminis ans Herz.

Montag, 11. April 2016

LEKTÜRE

Manchmal liest man Texte, die noch ein wenig nachklingen. Aus ganz unterschiedlichen Gründen. Weil sie betroffen machen, oder piesacken oder anschubsen. Hier meine drei Fundstücke für einen Wochenanfang, der alles andere als nichtssagend sein soll:

Ich habe mitgelitten, geschmunzelt und mich stellenweise ertappt gefühlt: Mathe-Abitur. Mit dem Schlimmsten rechnen.

Ich hoffe mich wenn es nötig ist an diesen aus dem Herzen geschriebenen Text zu erinnern. Für mich selbst und für Freunde: Wie überlebt man den Tod der Eltern?

Ein Rundumschlag. Und es ist so viel Wahres dran: Generation Y. Generation Fake.

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Und welcher Text hat dich in letzter Zeit bereichert?

Donnerstag, 7. April 2016

WAS PASST DAZU?

Die Sonne scheint und ich befülle gedanklich meinen kleinen Eisladen. Ein Eckladen mit großen Fensterfronten, schönen Fußbodenkacheln und zarten blaugrauen Wänden. Schnörkellos, jedoch an den richtigen Stellen passend detailliert. Am liebsten eingerichtet von Studio Oink. Das Eis wird ehrlich lächelnd mit perfektionierter Drehung aus dem Handgelenk auf gute (!) Waffelhörnchen gespachtelt, so wie in Argentinien. Sieben Sorten. Nicht mehr, nicht weniger. Und es gibt Granita di caffe. Was aus ist ist aus. Die Geschmacksrichtungen sollten miteinander harmonieren. Mir kam heute Salzlakritz in den Sinn - nicht leicht zu kombinieren. Dazu vielleicht einfach eine ehrliche Vanille mit Pünktchen? Oder hast du einen Vorschlag?

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Hast du auch einen Gedankenladen?

Freitag, 1. April 2016

FRÜHLINGSNOTIZEN



Das April-Kalenderblatt steht neben dem immer weiter erwachenden Frühling dafür, dass das erste Jahresquartal bereits vorüber ist. Die verblassende Wintermelancholie lässt einen mit unbequemen Fragen zurück. Was ist mit den Jahresanfangsgedanken, den frischen Plänen, den leicht dahergesagten Wünschen? An welchen Stellen muss man noch mal nachjustieren, durchstreichen oder umformulieren? Kann man hinnehmen, dass sich so manches Grundlegendes nicht mal ebenso ändert? Dass sich Charakterzüge, die sich über Jahre vertieft haben, nicht einfach wegretuschieren lassen, wie ein störende Unreinheit? Dass es nicht immer erleichternd ist, alles anders machen zu wollen? 

Der Alltag saugt ein, das Netz, liefert Zerstreuung. Ablenkende Investition der kostbaren Zeit, die man doch besser für sich und nicht für das verschwommene Bild von den Anderen und oft sogar Unbekannten verbrauchen sollte. Auch wenn man es doch eigentlich längst weiß, sollte man die wertvollen Momente nutzen, in denen die Gedanken nicht jäh gestört werden, weil das spätere Anknüpfen oft nicht mehr so recht gelingt. Bei sich bleiben, auch wenn es ans Eingemachte geht. Puh!

Daher schreibe ich gar nicht zu viele Punkte auf meinen Frühlingszettel, schließlich soll sich der Frühling auch in den Gedankengängen willkommen fühlen und alles mal gehörig entstauben und durchlüften.


Ein paar persönliche Wünsche und Vorhaben:
  • Schreiben. Hier, für mich, für Andere. Und die ein oder andere Postkarte verschicken.
  • Am Wochenende möchte ich gemütlich die Marktsaison einläuten, die Nase des Jungen mit Kräutern für die obligatorische grüne Soße kitzeln und ein kleines Frühlingsmahl zubereiten.
  • Fahrrad fahren.
  • Versuchen, mich ohne schlechtes Gewissen auf eine kleine Mai-Reise vorzufreuen.
  • Cashewmilch selber machen, denn stepanini hat mich mit der goldenen Milch angesteckt und die Cashewbasis gefällt mir bisher am besten. Wie man Nussmilch macht, steht z.B. bei Krautkopf.
  • Alten Kram loswerden, der sich hier schon wieder unschön türmt.
  • Etwas nachholen: das Februar- und Märzgericht - noch etwas, das ich doch unbedingt schaffen wollte. Ich habe in den beiden Monaten trotzdem gesammelt und kann euch schon mal folgende drei Fremdkreierten wirklich ans Herz legen: Rote-Bete-Kokos-Suppe (mein Tipp: länger kochen lassen und pürieren), Topfentorte und ein gigantischer (auch in seiner Erscheinung) Marzipanzopf.
  • Das Seufzen umwandeln. In Elan. In gute Gedanken. In Zuversicht!

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Frühlingsgedanken - habt ihr sie schon gesammelt? Oder müsst ihr auch erst noch entstauben?

Sonntag, 31. Januar 2016

IM JANUAR: ÄLPLERMAGRONEN

Jeden Monat ein Rezept festhalten - das müsste doch zu schaffen sein. Bevor der Januar so gut wie um ist, widme ich ihm noch meine Leibspeise. Als ich zum ersten Mal das Rezept ausprobierte, welches ich in meinem geliebten Alpenkochbuch entdeckte, wurden schlagartig die bisherigen Winterlieblinge der kulinarischen Lebenssammlung ein wenig in den Hintergrund gedrängt. Die Speise passt so gut zum Jahresanfang. Zur ruhigen Gemütlichkeit nach all den turbulenten Festtagen. Sie macht so warm im Bauch. Sie ist schlotzig und mehr als reichhaltig und durchkreuzt damit sämtliche Diätpläne. Das ist gut so. Cremig, salzig und ein bisschen süß. Sie hilft, wenn das Wintergrau zu düster wird oder das Herz ein bisschen juckt. Man benötigt lediglich einen großen Topf. Und kann rührend den Gedanken nachhängen. Ich spreche von Älplermagronen. Sie entstanden als man Schweizer Bergkost mit Italienischer Küche kombinierte. Man stelle sich das Gerede und Gestaune vor: zu sättigenden Kartoffeln auch noch käsige Makkaroni zu kredenzen, sowas! Aber es kommt noch besser: oben drauf gehört dann noch ein fast unverschämt großer Klecks Apfelmus aus kleinen rotbackigen Äpfeln. Und eine Ode an satte Almwiesen in Form von grünen aromatischen Schnittlauchröllchen.



ÄLPLERMAGRONEN
3-4 kleine rotschalige Äpfel, mit Schale gewürfelt
1 EL frisch gepresster Orangensaft
1 Prise Zimt
1 TL Vanillezucker
3 EL Butter
3 große festkochende Kartoffeln, ohne Schale klein gewürfelt
2 Schalotten, fein gewürfelt
400 g kurze Makkaroni
1 l Salzwasser
200 g würziger Bergkäse, grob gerieben
200-250 ml Sahne
1 Bund Schnittlauch, in Röllchen geschnitten

Die Äpfel in einem Topf anbraten, mit Orangensaft ablöschen, den Zucker hinzugeben und so lange garen, bis die Stückchen weich sind. Anschließend nach Belieben fein oder stückig pürieren bzw. stampfen.

Die Butter in einem großen Topf schmelzen lassen und darin die Kartoffeln und die Zwiebeln anbraten. Die Nudeln kurz mitrösten, das Salzwasser angießen, aufkochen lassen und ohne Deckel zehn Minuten bissfest garen. Zwischendurch rühren, gegen Ende sollte das Wasser fast verkocht sein.

Den Käse mit der Sahne unter die Nudeln mischen, Älplermagronen mit Salz und Pfeffer abschmecken. Mit Schnittlauch bestreuen und mit einem großen Klecks Apfelmus servieren.

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IM JANUAR
Gern gelesen: ‘Airbnbs for dining’ give Italian female chefs chance to shine und mein neues schönes Tokio-Kochbuch.
Gern gesehen: Die Serie Lilyhammer.
Gern gemacht: Cappuccino. Mit starkem Espresso. Und der kleinen Bialetti mit dem Guckloch und dem Druckventil. Dazu die großen kleinen Augen und das vorfreudige Glucksen wenn ich die Kaffeemühle aus dem Schrank hole.
Gern gedacht: So manche Mühe zahlt sich aus...

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Und was serviert ihr besonders gern im Januar?