Samstag, 21. Januar 2017

WENN DER ENKEL VEGETARIER WIRD

Ich bin ein großer Fan der libanesischen Küche. Ich mag die warmen Aromen, die kostbaren Gewürze, die Verwendung von Früchten in herzhaften Gerichten, den großzügigen Einsatz von frischen Kräutern und den bedachtsamen Einsatz von Fleisch. Ich mag die Mezzetafeln, das Teilen und das Ausdehnen, das Wertschätzen von vielen verschiedenen Tellern und Schüsseln.
Der traditionellen libanesischen Küche widmete die Köchin Salma Hage bereits ein Kochbuch.
2016 erschien ihr zweites Buch "Orient - köstlich vegetarisch" in Deutschland. Grundstein dafür legten ihr Sohn und ihr Enkel, die sich vegetarisch ernähren und Salma vor die Herausforderung stellten, einige ihrer geliebten traditionellen Rezepte in fleischlose Varianten abzuwandeln oder weiterzuentwickeln. Salma nahm die Herausforderung an, experimentierte und bekam sichtlich Spaß daran, typische Gerichte einfach mal anders zuzubereiten.
Viele libanesische Rezepte sind von jeher vegetarisch oder vegan, diese Klassiker bleiben bei ihr auch nahezu unantastbar und es tut dem Buch gut, dass nicht alles zwanghaft neuinterpretiert wird sondern gefüllte Weinblätter oder Baba Ganoush und viele weitere eben genauso gemacht werden, wie sie das von klein auf gelernt hat.  

"Ich beobachtete Mutter und Großmutter beim Kochen genau und versuchte, so viele Rezepte wie möglich zu lernen. Damals schrieb niemand Rezepte auf oder besaß gar ein Kochbuch."


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Orient
- köstlich vegetarisch -
Salma Hage
Erschienen 2016 bei Phaidon By Edel
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Die 74-jährige Salma wuchs als älteste von zwölf Kindern in einem kleinen Dorf in den libanesischen Bergen auf. Das Dorfleben hat sie geprägt - der Zusammenhalt, das Teilen und Tauschen, die Achtung vor den eigens angebauten Lebensmitteln und mit vollem Körpereinsatz hergestellten Gerichten und Vorräten. Wer so aufwuchs, verliert diese Ehrfurcht vor dem Essen, dem Hungern aber auch dem Feiern und Genießen nicht. Er hält sie tief im Herzen fest, genau wie den beruhigenden Holzfeuerduft, dem entgegengefieberten Geschmack von kostbarem Traubensirup und die schmerzenden Schwielen an den Händen vom Teigkneten.

Ein Abend mit Salma in ihrer Londoner Küche muss sicher spannend sein. Mit ihr würde ich gerne mal gemeinsam kochen, den Geschichten lauschen und herzlich lachen. Ihre Texte im Buch strahlen für mich Wärme und auch mütterliche Fürsorge aus. Familie und Essen sind bei ihr untrennbar und liebevoll verbunden. Sie leitet jedes Rezept ein, Veganes und Glutenfreies sind entsprechend gekennzeichnet.


Die Rezeptbeschreibungen sind knapp gehalten, an manchen Stellen hätten ein paar Genauigkeiten sicher gut getan, so mancher Arbeitsschritt könnte ausführlicher erklärt sein. Platz genug ist da auf den oft nur halbvollen Seiten.

Die Foodfotos von Liz und Max Haarala Hamilton finde ich sehr gelungen. Sie sind farbenfroh, natürlich, reduziert. Der Salat auf dem Cover (großartiges Rezept, s. unten) hat dann im Buch selbst einen dunklen Teller auf hellem Untergrund und bei genauem Hinsehen wird erkennbar, dass Dressing, Kerne und das ein oder andere Kräuterblättchen dann doch mittels Bildbearbeitung arrangiert wurden, der Salat ansonsten aber identisch ist. Das wirft bei mir die Frage auf, wie "echt" die abgebildeten Teller sind. Kommt man beim Nachkochen dann überhaupt zu einem ähnlichen Ergebnis? Ein kleiner hinterfragender Beigeschmack bleibt also beim Betrachten.



Erklärungsbedürftiges wie Baharat, Freekeh oder Mograbieh wird neben typischen Gewürzen in einem Glossar vorgestellt.
Die Grenzen zwischen den Rezeptkategorien sind fließend und man kann sich darüber streiten, ob man ein Rezept nun in das eine oder andere Kapitel einordnet. So findet man z.B. das Rezept für Grüne-Linsen-Taboulé bei "Gemüse", man könnte es sicher genau so gut im Kapitel "Salate" oder "Hülsenfrüchte" einsetzen. Vielleicht hat hier am Ende einfach Salmas Bauchgefühl entschieden.



Meine persönlichen Top-3 der einzelnen Kapitel, die auch die Rezeptvielfalt des Buches gut zusammenfassen:

Getränke
Libanesischer Eistee mit Orangenblütenwasser // Limettenwasser mit Ingwer, Erdbeeren und Minze // Doogh

Frühstück
Buchweizenpfannkuchen // Manouche-Brote // Libanesisches Omelett

Dips und Mezze
Dicke-Bohnen-Dip mit Artischocken // Nans Kibbeh mit Süßkartoffeln und Quinoa // Große Zucchini-Kibbeh

Salate
Spinat-Fattoush // Okrasalat mit Perlgraupen und Tomaten // Gerösteter Butternusskürbis mit Tahini-Dressing

Gemüse
Gegrillter Grüner Spargel mit Zatar und Mandeln // Grüne-Linsen-Taboulé // Jidi-Kartoffeln

Hülsenfrüchte & Co 
Rote Quinoa mit Zitrone, Kohl und Sumach // Pilz-Cashew-Burger mit Aprikosen // Bulgurfalafeln

Desserts
Dattel-Hafer-Riegel mit Gewürzen // Erdbeer-Rosen-Sorbet // Süße geröstete Kichererbsen


Mein absolutes Lieblingsrezept aus dem Buch ist der Salat mit der knusprigen Aubergine und den fruchtigen Granatapfelkernen. Bisher habe ich Aubergine nie geschält, dieses Rezept lehrte mich eines Besseren. Die Aubergine habe ich mittlerweile auch ohne Salat schon oft gemacht und mit Reis oder Ofengemüse kombiniert.



AUBERGINEN-GRANATAPFEL-SALAT MIT GERÖSTETEN PINIENKERNEN

1 EL Koriandersamen (ich habe Pulver genommen)
1 TL Kreuzkümmelsamen (ich habe Pulver genommen)
2 Auberginen, geschält und grob geschnitten
2 EL Olivenöl, plus Öl zum Braten
2 Knoblauchzehen, zerdrückt
Salz und Pfeffer
Mehl zum Wenden
100 g Pinienkerne
1 Bund glatte Petersilie, Blätter grob gehackt
1 Handvoll Babyspinatblätter, gehackt
1 Handvoll Granatapfelkerne

Dressing
4 EL Granatapfelsaft
1 TL Balsamicoessig
Saft von 1/2 Zitrone
4 EL Olivenöl
Salz und Pfeffer

Den Ofen auf 200 °C (Umluft 180 °C) vorheizen.

Da ich der Einfachheit halber mit Gewürzpulver gekocht habe, fiel dieser Schritt bei mir weg: Koriander und Kreuzkümmel in den Mörser geben und zerstoßen. Dann die Gewürze einige Minuten in einer trockenen Pfanne rösten, bis sie zu duften beginnen.

Die Auberginen in einer großen Schüssel mit Olivenöl, zerstoßenem Knoblauch, Salz und Pfeffer vermengen. Die (gerösteten) Gewürze darüberstreuen.

Einen Esslöffel Öl auf ein Backblech träufeln. Die Auberginen leicht im Mehl wenden, auf das Backblech legen und 30 Minuten rösten. Abkühlen lassen. (Dies ist ein Beispiel für die kurzgefassten Beschreibungen. Ich habe das Mehl in die Schüssel gestreut, alles gut geschüttelt damit sich die Würfel überhaupt im Mehl wenden lassen und die Würfel auch während der Backzeit mehrfach auf dem Blech gewendet, damit sie rundum bräunen).
 
Während die Auberginen rösten, alle Zutaten für das Dressing verrühren und beiseitestellen.
 
Die gerösteten Auberginen in eine Schüssel füllen, 1-2 Esslöffel des Dressings darübergeben und unterheben. 10 Minuten ziehen lassen, damit die Auberginen das Dressing aufsaugen können.

Zwei Esslöffel Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Pinienkerne darin goldbraun rösten.
 
Petersilie, Spinat und Granatapfelkerne zu den Auberginen geben und vorsichtig unterheben. Die Pinienkerne darüberstreuen und den Salat mit dem restlichen Dressing servieren.

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Samstag, 14. Januar 2017

PICKNICKLEKTÜRE

Wer im vergangenen Sommer picknicken wollte, wurde anfangs (und teilweise wochenlang) ganz schön herausgefordert. Wer neben guten Sachen aber ein wenig Flexibilität und Gelassenheit eingepackt hatte, wird später noch oft von diesem Tag sprechen, als man in Kolonne klingelnd mit dem Rad Richtung See aufgebrochen ist und dann vom Regen aufgescheucht das Festmahl stehend und lachend an einem provisorisch mit Teelichtern beleuchteten Bushaltehäuschen ausklingen ließ. Oder als man den Inhalt des Picknickkorbs für den Open-Air-Kinoabend spontan mit wildfremden Besuchern teilte, weil Sturm aufzog und Minuten später schon die Blitze zuckten. Ein von mir geplantes Picknick mit Freunden wurde letztendlich kurzfristig auf unseren Wohnzimmerboden verlegt, es war wunderbar! Eine liebevolle Erklärung an das Regen-Picknick schrieb auch Wolfgang Lueff.

Ein Picknick muss nicht kompliziert sein. Weder hinsichtlich der Speisen noch hinsichtlich des Ortes. Und es ist vor allem nicht nur dem lauen Sommer vorenthalten. Dafür spricht sich auch Julia Kutas in ihrem in diesem Jahr erschienenen Buch "City Picknick" aus. Sie lädt dazu ein, die eigene Stadt ganz neu zu entdecken und in großen oder kleinen Runden eine gute und köstliche Zeit zu haben. Ganz gleich ob man die eigene Mittagspause besonders zelebriert oder ein paar Leckereien zusammenpackt und freudestrahlend überreicht, damit jemand anderes es sich mal gut gehen lässt. Oder ob man mal wieder zum Filmabend lädt und ein paar leckere Snacks bereitstellt. 

Das Buch sticht optisch durch die abgerundeten Ecken heraus. Es erinnert an ein Notizbuch und so passt es, dass Julia in ihrem Buch auch die ein oder andere sympathische Anekdote preisgibt. Sie erzählt vom Scheitern ihrer ersten kulinarischen Ideen und davon, dass sie sich trotzdem nicht beirren ließ: "Meine Idee war, einen Picknickkorb mit selbstgemachten abgewandelten Wiener Delikatessen anzubieten. Ich eröffnete sogar einen Onlineshop für dieses Projekt. Trotz meiner großen Ambitionen und meines Optimismus wurde kein einziger Picknickkorb bestellt."

Julia eröffnete 2010 ein kleines Restaurant, die hiddenkitchen, in Wien. Mittlerweile gibt es zwei Dependancen. Die Picknickkörbe sind sehr beliebt. Und sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, keine Quiche doppelt zu machen, also umfasst ihr Quiche-Repertoire mittlerweile mehr als 1000 Rezepte. Ich mag solche Eigenheiten.

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Zucchini-Walnuss-Suppe
Spinat-Salat mit Miso-Kürbis
Quiche mit Prosciutto und Feigen
Walnusskuchen mit gerösteter Tomatensauce
Süßkartoffel-Apfel-Salat mit Macadamianüssen
Mini-Granola-Apfel-Crumble
Mohnpesto
Milchreis mit Espresso-Birnen
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Der Aufbau des Buchs nimmt ein wenig an die Hand und zeigt erst Mal einen übersichtlichen Baukasten, der alle Punkte für ein gelungenes Picknick berücksichtigt. 

Die einzelnen farblich codierten Kapitel widmen sich verschiedenen Picknickanlässen und die unkomplizierten Rezepte sind passend dazu abgestimmt. Merkmale wie vegetarisch, vegan, gluten- oder laktosefrei sind jeweils hervorgehoben und teilweise sind entsprechende Variationen berücksichtigt. Die Zutaten sind nicht zu exotisch oder abschreckend, sodass man beim Durchschauen auf jeden Fall animiert und inspiriert wird gleich loszulegen. Wenn nötig, steht auch ein Tipp zum optimalen Transport des Gerichts dabei. Julias große Freude am Rezepteentwickeln zieht sich wie ein roter Faden angenehm durch das Buch.
Nicht alle Rezepte sind bebildert, manche wurden auch mit Hilfe von Illustrationen veranschaulicht. Die Fotos sind farbenfroh und authentisch und bilden die Gerichte appetitlich ab.






































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City Picknick
Julia Kutas
Erschienen 2016 im Brandstätter Verlag
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Dienstag, 10. Januar 2017

SCHAU MAL WIEDER IN EIN BUCH

Wenn ich schenke, dann gern ein gutes Buch und ein paar passende kleine thematische - oft auch kulinarische - Erweiterungen dazu. Zum Beispiel schönes Konfekt, um das Lesen zu zelebrieren. Oder ein kleines Notizbuch, um sich so treffende Sätze zu notieren. Oder die Zutaten, für ein enthaltenes Rezept. Oder eine handgeschriebene Empfehlungsliste für weitere Bücher, die der beschenkten Person sicher auch gefallen würden. Oder die Einladung zu einem gemeinsamen Lesecamp.

Im Laufe des Winters stelle ich euch einige - wie ich finde - gelungene und überwiegend aktuelle Kochbücher vor. Bücher, die aus verschiedenen Gründen herausstechen. Alle mit dem nötigen Herzblut versehen. Bücher, die auch etwas über die Autoren oder besondere Köche verraten. Die, die ein wenig anders sind und mit denen man eine gute Zeit haben wird. Die, die neugierig machen. Die, die trotzdem nicht perfekt sind. Für jeden ist etwas dabei. Für Menschen, die ohne viel Tamtam die Picknickkörbe füllen wollen. Oder diejenigen, die ihre Küchenabfälle und Vorurteile überdenken möchten. Auch für die, die sich nicht nur an einem Novemberregentag eine gute und zu enge Garküche in die eigene Nachbarschaft wünschen. Oder die, die sich nach Holzfeueranekdoten und warmen Aromen sehnen, oder die, für die ein "weißt du noch?" auch immer mit einem bestimmten Kindheitsgericht verbunden ist. Ich habe kein festes Bewertungsschema, jedes Buch wird ganz individuell von mir betrachtet.

Auch mein gemischter Lesestapel wächst weiter. Aktuell sieht der gedruckte folgendermaßen aus:


Bitte - gerade bei Büchern: unterstützt die kleinen unabhängigen Buchhandlungen bei euch vor Ort. Sie bestellen auch über Nacht und freuen sich über euren Besuch. Ein nettes Gespräch, eine durchdachte Auswahl und eine tolle und auch wirklich persönliche Empfehlung für einen guten Roman bekommt man eigentlich auch immer obendrauf.

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Welches Buch begeistert euch im Moment?


Dienstag, 3. Januar 2017

EIN ANFANG

Das neue Jahr brachte bereits Gutes. Eine Portion Schnee, eine kleine Reise mit Freunden, Bergsteigergefühl und prachtvolle Abendhimmel. Ich glaube an ein gutes 2017. Vor allem dann, wenn wir wagemutig und voller Tatendrang sind. Nicht erstarren, wenn Dinge anders laufen oder Menschen anders denken. Darüber reden, hinterfragen, lernen. Aber auch eine Milde entdecken, die so manches ungesunde Wutgefühl verpuffen lässt. Mehr ermutigen, mehr entdecken, mehr ergründen. Vor allem auch uns selbst. Sich selbst ein guter und besserer Freund sein. Und in diesem Sinne kann man sich ruhig erst mal selbst befragen.

Die besten Fragen stellen Okka und Elisabeth.


Macht und habt es ebenfalls gut. Lest Gutes, esst Gutes, tut Gutes. Nutzt die Zeit. Schmiedet Pläne. Schreibt Wünsche und Ziele auf. Versteht, was der Unterschied ist. Macht Ausflüge, große und kleine. Passt auf eure Gesundheit auf. Lasst euch nicht blenden, nicht entmutigen und bloß nicht verbiegen. Hört auf zu vergleichen und zu konkurrieren, nachzuahmen und gefallen zu wollen. Lasst euch etwas beibringen, seid auch mal laut und fragt einfach nach. Und hebt euch nicht die schönsten Dinge bis zum Schluss auf.

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Fotos: Rainer Eidemüller

 

Freitag, 2. Dezember 2016

VON AUSREDEN & EINSICHTEN


So. Da bin ich wieder.
In diesem Jahr kam ich so manchen meiner Eigenheiten und Gedankenblenden auf die Schliche. Besser spät als nie. Mir musste es mitten bei einem Waldspaziergang erst wie Schuppen von den Augen fallen, dass ich nicht, wie so oft sentimental angenommen, vor meiner Zeit als Mama mit meiner Arbeitswoche unbegrenzte Zeit zur Verfügung hatte. Auch da hatte ich private Stapel, Unbeantwortetes, Angefangenes, Vergessenes. Auch da war ich abends manchmal einfach müde. Auch da hatte ich mal einen schlechten Tag oder gleich mehrere am Stück. Auch da war ich nicht ständig unterwegs, produktiv, kreativ. Auch meine irgendwann umgesetzte Vier-Tage-Woche, war zwar eine prima Entscheidung, aber auch nicht die Komplettlösung für mein immerwährendes ichkommzunichts-Dilemma. Nun erneut alles mal eben auf die neue Lebenssituation und die Aufmerksamkeit für den kleinen Menschen um mich herum zu schieben ist also einfach unfair und zu einfach.
Vor ein paar Tagen fiel hier im Haushalt der Entschluss, bis Jahresende keine Serien mehr zu schauen. Na gut, der Entschluss fiel nicht ganz so schwer, weil wir gerade The Americans beendet hatten und ein Staffelende erst mal ein guter Ausgangspunkt ist. In diesem Jahr haben wir echt genug gute Filme und Serien geschaut. Das hat Spaß gemacht. Aber auch zeitweise von vielen Dingen abgehalten. Also gibt es nun ein bisschen mehr Abendzeit. Und weniger Ausreden. Ich habe mir einen Zettel gemacht, denn ich will entgegen aller besinnlicher Adventsachtsamkeit fokussiert in die Pötte kommen. Mich spornt das Jahresende immer ganz gut an, noch Zeug wegzuschaffen. Dinge abzuschließen. Und mich endlich mal den Ablenkungen zu widmen, die mich vermeintlich davon abhalten, größere Entscheidungen zu treffen oder mich in ein Projekt zu stürzen (äh um mir einen Projektplan zu schreiben muss ich aber erst mal meinen schönen Stift im Schreibtischchaos - äh eigentlich müsste ich das überhaupt erstmal aufräumen - suchen, ach eigentlich muss ich erst mal alle Spitze stiften, och ich bräuchte mal einen guten Spitzer, komm ich recherchier mal.... schwupps ist der Abend um). Und da ich mir eingestehen muss Meisterin in solchen "vorab-aberichmussdochs" zu sein, kann das so nicht weiter gehen. Also sind jetzt diese Hindernisse dran. Ich löse sie alle auf. Das ist zumindest der Plan. Und für manche Erledigungen passt sogar noch was in den Hintergrund. Dafür empfehle ich wärmstens die unterhaltsame und lehrreiche TED Radio Hour. Ha, doppelt genutzte Zeit!

Hier sind meine ersten Sieben. Eine Sache pro Tag. Bedient euch, falls es euch ähnlich geht. Freut euch, wenn ihr auch so schon alles beherzt durchstreichen könnt. Belächelt sie, wenn sie euch banal erscheinen. Nutzt die Punkte als Adventskalender oder einfach als Inspiration. Einfach so, wie es zu euch und euren Baustellen passt. Manches braucht eine kurze Vorbereitung, manches geht sofort. Für manches kann man sich prima einen Verbündeten suchen.
  • Alle Stifte zusammensuchen (ja auch die aus der Küchenschublade und die in den Taschen verstreuten), auf einen Haufen legen, ausprobieren, aussortieren ohne nostalgisch zu werden. Die meisten sind doch eh eingetrocknet, kaputt oder liegen doof in der Hand. Für die noch funktionsfähigen gibt es sicher im Umfeld freudige Abnehmer!
  • Alle abgefallenen Knöpfe wieder an- und alle offenen Nähte wieder zunähen bzw. vorher erst mal überlegen, was ich aus dem schon lange angehäuften Stapel überhaupt vermisst habe. Eine Nikolaus-Nähverabredung mit einer Freundin steht schon im Kalender. Das wird gut.
  • Das Auto verwöhnen (waschen, saugen - Kindersitz(!), Flüssigkeiten, Reifendruck und sowas).
  • Einen Abend um 20:30 Uhr im Bett liegen. Dann einfach Schlafen.
  • Alte Batterien, Altglas und Pfandflaschen wegbringen. Und den Pfandzettel nicht wieder in der Hosentasche vergessen sondern direkt abgeben oder verschenken.
  • Schauen, was für Konzerte in nächster Zeit sind und die passenden Freunde zusammentrommeln. Für den Favoriten direkt eine Karte kaufen und sich vorfreuen.
  • Alle nervigen und eh nicht gelesenen Newsletter abbestellen. Schon wieder.

Also loslos. Die nächsten Sieben folgen bald!

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Was schafft ihr gerade weg?

Freitag, 2. September 2016

SO WIRD DAS NICHTS!


Manchmal passen die Bedingungen nicht. Da kann noch so etwas Gutes zu Grunde liegen, wenn ein paar Stellschrauben gerade nicht passend sitzen, klappt es einfach nicht. Mein Trombetta-Projekt auf dem Balkon kann ich als gescheitert abstempeln. Ich hätte viel zu große Kübel aufbauen müssen, sie sind wohl doch viel lieber in Freiheit und im Garten, was soll ich sie da begrenzen und ihnen ein Umfeld vorgaukeln, das am Ende nicht zu ihnen passt. Micha konnte bereits ernten - die Glückliche - und liefert damit den finalen Beweis, dass sich die neugierigen Gartenbesitzer unter euch die Trombetta auf jeden Fall auf den Pflanzplan 2017 setzen sollten. Den Balkonbesitzern lege ich als kleinen Trost die Zitronenverbene ans Herz, die wuchert hier wie verrückt!

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Ich habe mir zu viel vorgenommen. Einfach zu viel. Das einzusehen ist nicht einfach. Das schreibe ich mit müden Augen. Um mich herum liegt Spielzeug, egal wie oft man es versucht in Ordnung zu halten, es gelingt nicht wirklich. Auf dem Boden entdeckt man verschiedene Spuren unserer Essabenteuer. Auf dem Schreibtisch Stapeldörfer. Es ist kein Wettbewerb.
Mir ist nach Ruhe. Nein sogar Stille. Manchmal reichen ein paar Minuten, manchmal nicht. Ich wollte so Vieles beschreiben, z.B. wie es ist einem kleinen Menschen das Essen beizubringen, wie es ist endlich mal wieder ein gutes Kochbuch in der Hand zu haben, wie es ist ein Picknick auf den Wohnzimmerboden zu verlegen, wie es ist sich in den unbeschwerten Sommerabend zu sehnen, wie es ist am falschen Ende zu suchen. Irgendwas muss immer ruhen. Und aktuell bin ich das.

Kein für immer. Aber für den restlichen Spätsommer. Ach sagen wir direkt lieber bis in den Herbst hinein. So lange, bis es sich sortiert, ja?

Donnerstag, 14. Juli 2016

LACHS-BURGER

Ich esse gerne Burger. Also selbstgemachte. Aromen- und einfallsreiche. Solche, die man zum Essen nicht wieder dekonstruieren muss, weil sie viel zu voll gestapelt sind. Kürzlich war mir nach Fischburger. Ein paar Tage zuvor muss sich wohl beim Blättern in Donna Hays "Keine Zeit zum Kochen" eine asiatisch gewürzte Lachfrikadelle in mein kulinarisches Unterbewusstsein geschlichen haben. Und dass Lachs gut zu Mohngebäck passt, hat das Fräulein bereits anschaulich beschrieben. Ein wenig Marktrauke und genaurichtiggereifte Avocado als Garnitur und obendrauf ein guter Klecks Mayonnaise (auch eine gute!), mit ein wenig Zitronensaft abgeschmeckt - Donna Hay rührt noch Wasabipaste hinein.


LACHSFRIKADELLEN - ZWEI BIS DREI STÜCK
300 g Lachsfilet, in 1 cm große Würfel geschnitten
1-2 EL Reismehl
Etwas Zitronensaft
1 Stängel Zitronengras, sehr fein gehackt
5-10 Basilikumblättchen, gehackt (Koriander ist auch gut!)
Etwas Ingwer, gerieben, gehackt oder als Saft
1/2-1 TL Sojasauce
Pfeffer zum Abschmecken

Die Zutaten für die Frikadellen gut mischen und etwas Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen. Aus der Masse, die auf den ersten Blick nicht sonderlich fest erscheint, zwei Häufchen in die Pfanne setzen und mit Hilfe eines Pfannenwenders in Frikadellenform zurechtdrücken. Die Frikadellen etwa vier Minuten pro Seite anbraten. Und dann pur oder im Brötchen, mit Garnitur oder ohne, lauwarm genießen!

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Welche Burgerkreation magst du gerade besonders gern?