Sonntag, 9. Dezember 2018

GESCHENKE, DIE MAN WIRKLICH GEBRAUCHEN KANN

Ich schenke gern. Auch einfach so. Aber ich werde gar nicht mehr so gerne beschenkt - zumindest nicht aus Verlegen- oder Ideenlosigkeit, das Ergebnis bringt dann nämlich meist beide Seiten in eine unangenehme Situation und findet einfach keinen Platz. Und bevor ich genau diktiere, welches Buch ich gerne hätte, kaufe ich es mir lieber selbst. Innerhalb der Familien schenken wir Großen uns dieses Jahr zum vierten Mal nichts zu Weihnachten und das reduziert eine Menge Schweißausbrüche. Und der Mann und ich schenken uns wenn dann eine Unternehmung, etwas für Kopf oder Herz oder etwas für den Haushalt. Letzteres ist besser als es klingt. Das sorgt nämlich dafür, dass wir endlich mal anständige Weingläser haben oder einen Balkontisch, der den langen Sommer noch ein bisschen schöner macht. Dinge, die man benutzt und nicht nur anschaut. Oft und gerne. Auch das ist Nachhaltigkeit.

In jedem Raum hier Zuhause gibt es ein paar Dinge, die ich oder wir mal geschenkt bekamen. Dinge, die wir wirklich häufig verwenden und an denen wir uns immer noch nicht satt gesehen haben und die wir einfach gut finden. Die liste ich euch ohne beeinflusste Werbegedanken oder Provisionen mit den passenden Gedanken auf. Als Inspiration zum Wünschen oder Schenken oder Merken oder Weiterdenken.


FLUR



Rucksack
Ich habe eine langanhaltende Rucksackphase. Und keine Lust auf Kankeneinheitsbrei. Zwei mal schon die Bestellung nicht bereut und auf kleine und große Abenteuer mitgenommen habe ich Rucksäcke von der ungarischen Marke Blind Chic.. Aktuell ist Black Ulrik mein Begleiter.

Portemonnaie
Ich mag das Gefühl, wenn das Portemonnaie ganz flach und länglich ist. Ebenso wichtig ist mir die Inneneinteilung, ein verschließbares Kleingeldfach, ein angenehmes Material und ein schöner Verschluss. Ich will kein anderes mehr. Auch, weil ich beim Öffnen die Berge sehe.

Wolltuch
Meinen Lieblingsschal habe ich letztes Jahr ganz zufällig im Newsletter vom Süper Store entdeckt. Ein genau richtig großes Tuch aus Merinowolle und merzerisierter Baumwolle. Mittlerweile gibt es neben Dunkelblau noch einen schönen Petrol- und einen Mooston.

Stulpen
Stulpen halten die Gelenke warm. Hatte ich jahrelang verdrängt, auch weil ich die oft unschön fand. Dann begegneten sie mir in einfarbiger Alpaka-Version für Babys. Und sie wurden zu meinem Lieblingsgeburtsgeschenk. Für Große gibt es die auch. Ich nehme die Pulswärmer für meine Fußgelenke, damit die Sulpen nicht so lang sind. Im Winter und auf Reisen will ich sie nicht mehr missen. Meine haben 28 cm Länge. Es gibt sie in vielen Farben und Längen.



KÜCHE
Hier sammeln sich fast die meisten Lieblinge. Also habe ich eine kleine Auswahl getroffen und mich für Produkte entschieden, die man immer noch kaufen kann. Vor allem, wenn man an die Dinge denkt, die man täglich in der Küche oder zum Essen verwendet, fällt einem vielleicht ein, woran man jeden Tag Freude hätte. Zum Beispiel ein schönes gutes Brotmesser oder eine genau richtig große Salatschüssel oder eine Reibe, die die Finger schont...




Blumenschere
Neben einer klassischen Zwilling-Küchenschere hängt eine Schere extra für Blumen an der Küchenwand. Sie erinnert mich daran, mir selbst immer mal wieder einen bunt gemischten Strauß vom Bauernstand am Markt zu schenken, neu zu sortieren und Freude daran zu haben.

Lieblingstassen
Bei Tassen und Bechern bin ich eigen. Ich mag eine bestimmte Form, eine bestimmte Dicke, einen bestimmten Henkel. Oder auch mal keinen Henkel. Schön sollen sie auch noch sein. Immer noch nicht sattgesehen habe ich mich an unserer kleinen Marimekko-Sammlung aus der Siirtolapuutarha-Reihe


Pizza-Stein
Er ist schwer und er ist sperrig. Aber auf ihm kann man einfach so richtig gute Flammkuchen oder Pizza backen. Und wenn man daraus eine Freitagstradition macht, dann ist er auch viel im Einsatz und der Holzschieber wird auch oft in der Kinderküche benutzt. Unserer ist von Pimotti und 5 cm dick.

Kehrschaufel
Unsere war jahrelang aus blauem Kunststoff mit abgesplittertem Rand. Wirklich nicht besonders schön. Also wurde es dann letztes Jahr eine formschöne, die auch funktioniert.



WOHNZIMMER


Alpaka-Decke
Manchmal sag ich zu Paul: wenn ich irgendwann richig alt bin, dann will ich aus dem Fenster schauen können und dann möchte ich immer diese Decke auf dem Schoß haben. Sie ist nicht zu schwer, einfarbig, weich und warm. Eine Höhle für die Beine. Auch die gebe ich nicht mehr her. Meine ist nicht mehr erhältlich, aber diese hier ist ganz ähnlich.

Drei Vögel
Ein Geschenk zu Pauls Geburt. Das fand ich sehr passend. Die Messing-Vögel fliegen an der Wohnzimmerwand und nehmen immer wieder gute Gedanken mit auf die Reise. Die schönsten sind vintage, hier wird man immer wieder fündig.

Ministern
Ein Weihnachtsgeschenk, aus dem einfach ein gern angeknipster Ganzjahresbegleiter wurde. Der Herrnhuter-Ministern darf immer hängen und nicht nur weihnachtlich erleuchten.



SCHLAFZIMMER


Leinenbettwäsche
Kürzlich stellte ich mit einer Freundin fest: Wir sind beide sehr verliebt in unsere Leinenbettwäsche. Aber: Sie packt sie extra nicht in den Trockner, damit sie eher steifer bleibt und ich packe sie extra in den Trockner, damit sie schön weich wird. Ist doch fein, wenn eine Sache auf zwei Arten zufrieden machen kann. Leinenbettwäsche gibts in vielen Preisklassen und von vielen Herstellern. Meine ist schon einige Jahre alt und war damals von hier.

Mobile
Papierrascheln kann nervig sein aber wenn es leise ist auch sehr schön klingen. Und ich merke gerade beim Zusammenstellen der Ideen hier, dass mich wohl die Dinge ansprechen, die mich oder meine Gedanken ein wenig forttragen. Nicht flüchtig, sondern bereichernd soll das sein. Die Ballons schaffen das immer wieder.

Packsäcke 
Ich musste erst ein wenig warm mit Packsäcken werden. Aber auf den letzten großen Reisen haben sie sich sehr bewährt. Sie helfen beim Komprimieren und Sortieren und das hat eine Menge Sucherei erspart. Ich bekam mal welche geschenkt und hab dann nochmal nach Bedarf erweitert. Es gibt sie in jedem Outdoorshop mit verschiedenen Merkmalen.



BADEZIMMER



Duschkopf
Da musste ich erst mal während eines Hotelaufenthaltes drauf kommen. Dort stand ich unter einem großen Regen-Duschkopf und dachte an das nachtropfende Mini-Ding Zuhause. Ja klar, auch da kann man optimieren und sich vergrößern und mal in Qualität investieren. Freu ich mich seit vielen Jahren drüber!

Nagelset
Ein rotes Nageletui bekam ich glaube ich mit 16 von meiner Mama. Mit allem drin, was man so für eine Maniküre braucht. Mittlerweile würde ich vielleicht eine andere Farbe wählen, aber der Inhalt bleibt unschlagbar und hält und hält. Das auf dem Bild gezeigte ist wie meines von Zwilling.

Seifenspender
Sehr reduziert und aus Porzellan. Sieht schöner aus als viele Einmalspender und motiviert Nachfüllpackungen zu kaufen. Unser altes Waschbecken und auch die Dusche haben eine praktische Seifenmulde, eine schlichte Seifenschale ist natürlich auch eine gute Option für mehr Seifenstücke im Alltag. 

Hamamtücher 
Die kommen auf jeder Reise mit. Sie lassen sich klein zusammenrollen, sind super für den Strand oder den Sport. Jeder von uns hat eins. Das vom Kleinen ist im Sommer immer im Rucksack. Für Picknicks, zum Zudecken und früher zum Abhängen des Kinderwagens. Gute Tücher sind robust und halten viele viele Wäschen aus. Man sollte auf eine feste Baumwolle ohne Kunstfaser achten. Unsere haben wir damals bei Monoqi entdeckt, die im Etikett vermerkte Firma führt mich zu diesem Shop.



ARBEITSZIMMER 


Stifte
Als Linkshänder wird einem manche Papierart oder manche Stiftart beim Schreiben zum Verhängnis. Passt es nicht zusammen, wird's schmierig. Im Laufe der Zeit habe ich zwei Lieblingsstifte gefunden. Günstig und edel und beide oft im Einsatz. Ein 0.38-Tintenroller von Muji und ein silberner Caran d'Ache.

Stahllineal
Manchmal muss man etwas ganz genau schneiden. Am besten mit Schneidematte und gutem Cutter. Hatte ich beides. Aber mit Kunststofflineal wurde es oft eher geht so. Ein Stahllineal war dann eine gute Anschaffung.

Pusteblume
Im Laufe der Zeit versuche ich immer weniger Dinge zu haben, die einfach nur rumstehen. Aber es gibt ein paar Ausnahmen. So darf auch diese eingefangene Pusteblume einfach auf dem Fensterbrett stehen und meine Arbeitsgedanken durcheinander pusten.




KINDERZIMMER
Meine Tipps unter 20€ für Kinder ab 3 Jahren habe ich hier gezeigt.



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Habt ihr auch eine Empfehlung, die man unbedingt verschenken sollte, weil ihr sie selbst so gerne nutzt?


Sonntag, 25. November 2018

DIE SAMMLUNG

"Komm, wir machen die Sammlung Mama!". Eine schöne Idee, die ich mal bei Frau Liebe sah. Bei uns sind die Fächer gefüllt mit Erinnerungen und Schätzen vom Draußensein. Hier und auf Reisen gesammelt. Mit ihm und auch vor seiner Zeit. Das Spiel ist immer anders, die Regeln wechseln oft. Mal darf gemischt werden, mal nicht. Mal wird bedächtig nach Farbe oder Größe sortiert. Mal darf ich auch was nehmen, mal nur was Bestimmtes und manchmal einfach zuschauen. Teilweise sind noch verschiedene Schälchen beim Leerräumen der Fächer im Einsatz, die ganz genau zugewiesen werden und nicht einfach umfunktioniert werden dürfen. Und dann nannte er sie plötzlich "meine Räubersammlung". Einfach so. Das passt!


Bevor die Herbstschätze aus den Jackentaschen den Mandarinenschalen oder Weihnachtsternen weichen, findet ihr ja vielleicht auch noch ein paar Dinge für eure neue Räubersammlung.

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Mein Lieblingsfund: herrlich duftende Eukalyptusknospen, die aussehen wie Trachtenknöpfe. Aus Madeira. Ergänzt um zwei weitere, die wir vor einigen Wochen in Kalifornien gesammelt haben. So verändert sich die Sammlung immer wieder.

Montag, 12. November 2018

VERTRAUTE VENTILE


Manchmal ist es irgendwie verzwickt. Und man weiß auch gar nicht genau wieso jetzt eigentlich. Da bräuchte man ein kleines Notizbüchlein, unter der Hand weiter gegeben von Mitwissenden und auch Mitfühlenden, mit schwungvoll auf das dünn linierte Blatt geschriebenen treffenden Worten, die einem selbst gerade so sehr fehlen. Suchend würde man es an der genau richtigen Stelle aufschlagen und sich verstanden fühlen, dann kurz in dieses beruhigende Gefühl eintauchen bis nur noch die Ohren rauschen und feststellen, dass man beim Lesen schon die ganze Zeit leise mit dem Kopf nickt. So, genau so. Ja so.

Ich neige dazu in solchen ratlosen Momenten Rezepte zu wählen, die mir neu sind. Darauf stürze ich mich, mit verlockenden Bildern vorm Auge. Rezepte, die sich mit einem Weh verknüpfen lassen. Enweder Richtung Fern oder eher wieder Heim. Und dann bin ich beschäftigt und überhöre die ersten leisen Bedenken. Nein nein, das wird schon klappen, ich freu mich doch so darauf. Ja, ich mach mal kurz die Tür zu, geht schon, ich brauche keine Hilfe, alles ok. Und dann stehe ich nach Minuten - einigen bis vielen - vor einer unmixbaren Falafelmasse, einem stinkenden Pürierstab oder einem zerlaufenen klebrigen unförmigen Haufen Zwetschgenknödel. Ja, dann kommt alles raus, was vielleicht schon viel zu lange raus musste. Danach fühlt es sich leer an. So leer, dass wieder Platz ist. Platz, den man füllen darf auch wenn das Selbstvertrauen soeben gelitten hat und der Küchenwecker etwas zu lange störend dazwischenschrillt.
Ein wenig Küchenerfahrung hat mich mittlerweile gelehrt, früher abzubrechen. Zwar nicht immer auf den Punkt, aber meist noch rechtzeitig und so hinhorchend, ob das jetzt eine gute Idee oder ein Ventil sein soll. Dann suche ich mir ein besonders schwieriges Rezept oder gehe halt Falafel auswärts essen.

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Der Text ist älter. Aber hat auch jetzt gerade gepasst, in ein wenig warmes Novembergrau. Es ist nicht der erste Versuch, hier wieder mehr zu schreiben und zu zeigen. Ich glaube ja immer noch dran!


Samstag, 9. Dezember 2017

SIGRIDS PFEFFERKUCHEN


Eigentlich wollte ich das Plätzchenbacken in diesem Advent ziemlich schmerzfrei streichen. Dem Kind ist der Teig einfach noch nicht geheuer - alles zu seiner Zeit. Ich selbst habe auch in diesen Wochen zu viele Ideen für zu wenig Zeit und Energie, also wird nach Wichtigkeit sortiert. Aber ich kam ins Wanken. Mehrfach, weil ich genau die Rezepte entdeckte, die meine Neugierde wecken und von denen ich mir sicher bin, dass sie nicht nur mir gut schmecken werden. Also gibt es nun schon mal einen Vorsatz und einen Zutateneinkaufszettel. Und für euch meine Neuentdeckungen:

  • Bei so viel Schwärmerei bin ich wirklich neugierig, nicht nur laut Micha sind es die wirklich besten Lebkuchen
  • Sehen schön aus und sind nicht so weihnachtsgewürzig: Cranberry-Blätter
  • Auch hier hat mich die Optik angelockt - und die Zutatenliste: Polenta-Shortbread mit Mohn und Blutorangen
  • Quittengelee ist ja mein Plätzchenkleberfavorit. Um im Sinne Ottolenghis nun Vanilletaler zusammenzuhalten, finde ich das gut kombiniert: Gefüllte Vanilleplätzchen mit Quittengelee 
  • Kürzlich fiel es mir nochmal in die Hände: das ausgerissene Rezept für Orangen-Mandel-Schnitten, aus einer "Essen & Trinken für Jeden Tag" Ausgabe aus 2003. Lang ist es her. Sie waren sehr mürbe und mit einer saftigen Mandelorangenmasse gefüllt. Und äußerst akkurat geschnitten, weil mein Papa auch mal mitbacken wollte. Wenn man sich nach so langer Zeit positiv daran erinnert, sind sie wirklich eine Empfehlung wert.

Und wenn ich schon in Plätzchenerinnerungen schwelge, muss ich auch an Sigrids Pfefferkuchen denken. Bis zu meinem sechsten Lebensjahr lebten wir in einer Reihenhausreihe mit großen Fensterfronten und einem geteilten Garten am Stadtrand von Göttingen. Wir lebten im zweiten Haus von links. Im ersten wohnte eine klavierspielende Norwegerin namens Sigrid, die zu allen Festen ihre schöne Tracht anzog. Ihr dänischer Mann hieß Bo, dem ich viel zu lange glaubte, dass er als Zirkusdirektor arbeitet und der meine Mutter jährlich mit einer selbst erlegten und tiefgefrorenen Elchkeule beschenkte und damit nicht nur unseren Tiefkühler überforderte. Sie hatten drei kleine Töchter: Ellen-Marie, Merete und Mariann. Die älteste war etwas jünger als ich. Ich freute mich über solche Spielkameradinnen. Sie hatten alle drei lange Haare und immer die schönsten Zöpfe. Neben dem Friesierspiegel hing ein ganzer Regenbogen aus Schleifenbändern, den ich mir immer wieder verzückt anschaute. Ich weiß noch genau wie es sich anfühlt, die gleichlangen Bänder mit den Fingern der Länge nach entlang zu streichen. Die roten aus Samt waren nur für ganz besondere Anlässe und ich muss wohl kaum erwähnen, dass die drei Mädchen dann natürlich auch jeweils eine Festtracht und wunderschöne Haarkränze trugen. Manchmal machte Sigrid auch meine Haare, als sie endlich lang genug für eine Flechtfrisur waren. Meine Wangen leuchteten dann aufgeregt mit den Samtbändern um die Wette.
Sigrid und Bo feierten gerne Feste. Fröhlich und ausgelassen. Und bei keinem Fest durften ihre dünnen Pfefferkuchen fehlen, deren Duft verlockend einmal die gesamte Reihenhauslänge entlang zog. Im Sommer wie im Winter. Dieser Duft! Und dieser Geschmack, wenn sie noch ein bisschen warm und so herrlich knusprig waren. Manchmal durften wir beim Ausstechen helfen. Sogar der Geschmack des Plätzchenteigs liegt mir heute noch so präsent auf der Zunge. Seitdem weiß ich wie gemahlene Nelken und all die anderen dunklen Weihnachtsgewürze schmecken.

Es ist nicht ganz das Gleiche, wenn ich die Pfefferkuchen nun alleine backe. Aber wenn ich an der Schüssel rieche stehe ich wieder zwischen Zöpfen und Töpfen in Göttingen und denke an eine unbeschwerte Kleinkinderzeit zurück, die nicht nur aus diesen Erinnerungen besteht...


SIGRIDS PFEFFERKUCHEN
50 g weiche Butter
150 g Zucker
65 ml Zuckerrübensirup
65 ml lauwarmes Wasser
1 TL Zimtpulver
1 TL Ingwerpulver
1 TL gemahlene Nelken
1 TL Hirschhornsalz
270-300 g Mehl

Aus den Zutaten einen geschmeidigen und nicht zu klebrigen Teig herstellen und über Nacht kühl stellen.

Auf Mehl sehr dünn ausrollen, nach Belieben ausstechen und auf Blechen mit Backpapier verteilen.

Bei 200 °C Umluft ca. fünf Minuten backen (gut im Auge behalten, die Plätzchen verbrennen schnell!)

Teigreste lassen sich noch einige Tage kühlen und zu einem anderen Zeitpunkt backen. 

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Hast du in diesem Jahr eine Plätzchenneuentdeckung?


Donnerstag, 23. November 2017

OHNE ENTWURF


Ich war auf Reisen. Zwölf Wochen lang, mit Mann und Kind. Mit Hinflugticket, Rückflugticket und Campervanbuchung. Ohne Route. Für jeden einen Reiserucksack und los. Jetzt im Nachhinein alles ganz einfach.

Über das davor (waaah!), währenddessen (wow!) und auch das danach (was nun?) möchte ich gerne an dieser Stelle erzählen. Mal kurz mal länger. Aber auch über anderes schreiben. Und gut essen sollten wir auch alle! Mir fehlt das und so wie es aussieht, geht es nicht nur mir so. Einfach drauflos. Ohne zu viel Entwurf und Struktur und Serie. Lieber das, was gerade bewegt. Vielleicht lösche ich alle zu verkopften Entwürfe. Mal sehen. Jetzt komme ich erst mal an.

Mittwoch, 19. Juli 2017

ROUTINIERT UND MOTIVIERT



Was beschäftigt dich?
Ich denke über Wörter nach: Gleichmut. Leidenschaft. Hingabe. Mutwilligkeit. 
Darüber, wie aus Routine Motivation wird. Welche Routinen fehlen, welche schwächeln, welche sind schon fast wieder ungesehen?
Bevor der Knoten im Kopf wieder unlösbar wird, wie das Wollknäuel, welches ich im Herbst auf einer Bahnreise so hoffnungslos in die Bredouille brachte, sodass am Ende - und just bevor dieses unangenehme nervöse Kribbeln, weil das Aufdröseln alles nur schlimmer machte, nicht mehr auszuhalten war - nur ein sehr beherztes auseinanderreißen half, mache ich einfach erstmal mit dem Wegschaffen weiter. Mein Sitznachbar im Zug muss sich eh gewundert haben, da ich sicher dreimal mein Strickzeug wieder aufribbelte (Anfangsfaden zu kurz, doch zu viele Maschen aufgenommen, Muster missverstanden, usw...) Aber ich gab nicht auf. Und das zählt. Es wurde eine weiche dunkelgraue Mütze draus. Eine fertige und recht ordentliche und nicht wieder irgendwann fast fertig weggelegte und vergessene. Mit vernähten Fäden und eingestrickten Gedanken. Für einen guten Menschen. Sie könnte ein bisschen länger sein. Aber er trägt sie. Und der Kleine. Also mittlerweile mitgewachsen, verloren und wiedergefunden. Ich werde noch mal eine machen und diese sicher auch dann wieder mehrfach auf die Nadeln setzen. Bis die Routine die Motivation eingeholt hat.

Vielleicht immer noch nicht streng getaktet routiniert aber dafür wieder angenehm motiviert geht es auch hier wieder weiter!

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Auch wenn es eine Weile her ist, mich beschäftigt immer noch dieser wahnsinnig akkurat sortierte Supermarkt in der Nähe eines Busbahnhofs irgendwo in Patagonien. Wie in einer Filmkulisse. Wenig Auswahl aber dafür in großen Mengen. Alle Regale waren genaustens sortiert und die Waren wurden wahrscheinlich ebenso routiniert wie motiviert immer wieder ausgerichtet.

Montag, 27. März 2017

VIETNAMESISCHE SCHWÄRMEREI

Ich mag es, wenn jemand ins Schwärmen kommt. Vor allem wenn es um Kulinarisches geht horche ich auf. Es ist schön zu beobachten, wie verzückt so mancher von einem Gericht spricht, das er einfach nicht vergessen kann. Oder von einem kleinen unscheinbaren Restaurant mit dem er letztendlich einen kompletten und grandiosen Urlaub verknüpft. Ich beobachte die Hände, die dabei versuchen das Bild einzufangen, welches der verträumte Blick in der Ferne nochmal ganz genau abzurufen versucht. Ich mag es, wenn der Schwärmende dabei milde wird, wenn er kleine Mängel oder Kritik von Anderen mit Gegenargumenten auffängt und dabei gekonnt mit seinen "ja abers" jongliert. Ich weiß selbst, dass so manche Schwärmerei entsteht, wenn sich verschiedene Zufälle und Emotionen und Tagesformen und Zustände zu einem warmen wohligen Knäuel im Bauch verschlingen - eine halbe Stunde später könnte es schon nicht mehr so sein. Da hat man vielleicht einen anderen Kellner oder einen anderen Platz erwischt, eine andere Sorge und eine andere Begleitung mitgebracht.

Ursula Heinzelmann schwärmt auch. Sie ist Stammgast, das kann nicht jeder von sich behaupten denn manchmal sucht man diese Einkehrorte ganz vergebens. Sie kommt immer wieder gerne zurück ins "Monsieur Vuong", ein vietnamesisches Restaurant mitten in Berlin mit einer erzählenswerten Geschichte. Anfangs noch ein echter zugeflüsterter Geheimtipp, mittlerweile stadtbekannt. Es geht um Vater (Hoanh) und Sohn (Dat), um Flucht und Neuanfang, darum sich durchzubeißen und sich treu zu bleiben. Die Geschichte hinter dem Restaurant ist mehr als eine nette Partyanekdote, sie entfacht Fernweh und Respekt. Und Hunger!
Man kann sie mittlerweile und bereits in der zweiten Auflage in einem sehr schön gemachten Buch mit dickem Pappeinband, der die matten crèmefarbenen und scharlachroten Seiten sowie die farbenfrohen Fotos aus dem Restaurant, aus Vietnam und aus dem Familienalbum auf den ersten 60 Seiten zusammenhält, nachlesen. Leider stört dabei ein intensiver Farb- oder Klebergeruch, der auch nach mehreren Wochen nicht verfliegt - schade!


Monsieur Vuong
- Das Kochbuch -
Ursula Heinzelmann
Erschienen 2016 bei Suhrkamp


Aus meinen Notizen während des Lesens: "Kindheit in Vietnam/Saigon, 1981 Flucht -> Boat People, ankommen in Solingen (kein Asialaden, keine vertrauten Zutaten...), eine improvisierende Mama. Rückzug mit 16 Jahren in einen buddhistischen Tempel, drei Jahre später Umzug ins lebhafte chaotische Berlin.Gastronomische Nebenjobs, die vietnamesische Küche war damals unbekannt also Wagnis eigenes Café. Dat fing in Berlin mit Banh Mi an. "Das sind doch Baguettes", es kam nicht an. 1999. Grauzone, Nudelsuppe - Pho. Ohne Plastikgeschirr (er mag kein Plastik, weder auf dem Tisch noch als Deko oder Möbel), auch die Speisekarten liebevoll gefertigt. Minimalistisch ohne Kitsch und Schnickschnack. Vietnamesische Küche ist weniger streng und puristisch wie die japanische, nicht so exotisch und chilischarf wie die thailändische. Es funktionierte mit den Suppen. Eng, voll, beliebt. 2001 Umzug in ein größeres Lokal, volle Konzession, Stammkunden wurden Freunde. Trubel, Herzlichkeit, Aquarium, Bambushocker, Blumen, Buddhafiguren. Auch wenn man nicht dort war, kann man es sich es ausmalen. Musik ist wichtig. Dat stellt eigenhändig die Playlists zusammen jenseits des weichgespülten Mainstreamgeschmacks. Nach Tageszeit und Jahreszeit abgestimmt, auf Mittagspausen Rücksicht nehmend. Der Fotograf Manuel Krug ist mit ihm nach Saigon, Hội An und Phú Quốc gereist. Sämtliche Angebote zu expandieren lehnt er ab. Man kann nicht an mehreren Orten gleichzeitig sein. Der Vater, dessen Selbstportrait zum Wahrzeichen des Ladens geworden ist, war anfangs skeptisch und dann bis zu seinem Tod 2009 sehr stolzer Stammgast mit Lieblingsplatz am Fenster." 
(Das umreißt natürlich nur die Geschichte, ich möchte sie gar nicht komplett vorweg nehmen...)


Dat Vuong verrät in dem Buch 40 typische Monsieur-Vuong-Rezepte, so dass man auch von Zuhause aus eine kleine lehrreiche Vietnamreise unternehmen kann. Die Rezepte werden in folgende Kategorien unterteilt:
  • Fingerfood und kalte Snacks
  • Fingerfood und warme Snacks
  • Salate
  • Suppen
  • Warme Hauptgerichte
  • Süßes
  • Getränke

Die Gerichte, teils auch an den europäischen Gaumen angepasst, klingen köstlich und sind dank der passenden und authentischen Fotos wirklich ansehnlich abgebildet, teilweise sind sie etwas aufwändiger aber die Texte erklären glaubhaft, warum sich mancher Arbeitsschritt am Ende lohnt. Die exotischeren Zutaten bekommt man gut im Asia-Markt. Die herzhaften Rezepte enthalten meistens Fleisch oder Fisch(-sauce), also nicht unbedingt eine Empfehlung für Vegetarier. Dip- und Saucenfans kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten.
An den nötigen Stellen werden passende Informationen mitgegeben. Der Rezepteaufbau ist anfangs ungewohnt, da er platzsparend gehalten ist und die Zutatenliste in die Beschreibung mit einfließt. Daran gewöhnt man sich aber schnell, dem Gestalter Henrik Hellige ist wirklich ein schönes Buchdesign gelungen!

Diese Rezepte haben mich direkt angelacht:
  • Sommerrollen mit kurzgebratenem Lachs und frittierten Wantanblättern 
  • Bánh-Mì-Happen mit würziger Geflügelleber, Maracuja und Pflaume
  • Fleischlose La-Lot-Rollen auf Reisnudelsalat
  • Gebackene Wantan mit Mango-Dip
  • Die Erdnusssauce der Hühnerspieße (so gut!)
  • Grapefruitsalat
  • Bananenblütensalat mit Entenbrusstreifen
  • Wantansuppe
  • Scharf geschmorte Makrele mit Ananas
  • Pfannengerührter Spargel mit Austernpilzen
  • Kokos-Ingwer-Flan
  • Monsieur-Vuong-Tee-Spezial


Und während ich großen Wantan-Hunger habe, dafür direkt eine Einkaufsliste schreibe und mir überlege, welcher Song wohl gerade im Monsieur Vuong läuft, wünsche ich mich auf einen der Bambushocker um das Geklapper und die vielen leckeren Dinge vor Ort kennenzulernen. Auch um herauszufinden, ob ich dann später ebenso schwärmend die Aromen nachschmecke und dabei mit leuchtenden Augen gestikulierend erkläre und aufzähle.

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Warst du schon einmal dort?