Donnerstag, 28. Juni 2012

NACH REGEN KOMMT GRÜN

Langsam geht es los. Der Bogen um das Gemüse im Laden oder auf dem Markt wird größer. Das Grün auf dem Ackerboden auch. So mag ich das. Die nackte Erde wird bedeckt und es entstehen richtige Gärtchen. Jedes ist anders. An unserem weht ein rotes Band. Manches habe ich in Bewegtbild festgehalten, der Zusammenschnitt ist noch nicht soweit. Bis dahin blicken wir einfach mitten rein, ernten Riesenradieschen und freuen uns, wenn wir beim Jäten plötzlich ganz viele zarte Zuckerschoten entdecken, die sich erst auf den zweiten Blick bemerkbar machen.


Auf den zwanzigsten Blick zeigten sich mir bisher unbekannte wunderschön geformte Keime. Die Süßkartoffel horte ich seit Monaten, mit der festen Überzeugung, dass sie irgendwann mal austreiben muss. Zwischenzeitlich befürchtete ich, dass sie eher faulen wird. Aber nein.



Dann, wenn man schon kaum mehr dran glaubt und sie nicht mehr beachtet, kommt sie aus sich heraus. Wie toll das aussieht. Eingebuddelt ist sie auch schon. Ich bin gespannt!

Ernten macht zufrieden. In vielerlei Hinsicht. Euer Vorbeischauen und die freundlichen Worte auch, dankesehr!

Und wer ein wenig Zufriedenheit verschenken mag, sollte mal alte Sonnenbrillen aussortieren, die kommen derzeit eh viel zu wenig zum Einsatz!

Sonntag, 24. Juni 2012

FRUCHT-PANCAKES

Ein Wochenende nach meinem Geschmack. Freitagabend und Samstag das feine Lüften-Festival in Frankfurt aufgesucht, viel zu schauen, Sommervorahnung, verzaubertes Licht beim Notwist-Auftritt, herrliche Akustik und tanzende Menge bei The Whitest Boy Alive. Unverdient dünne Zuschauerreihen bei Dry the River und gegen schlechte Soundbedingungen ankämpfende Gravenhurst. Eine schwarzweiße Dillon und ein ruhiger James Blake. Dazwischen Kunst, Installationen, illustre Personen, ein Facehunter mit zu engen Hosen und einer blutjungen Entourage, internationale Städelschuleabsolventen, die sich thematisch mit der Santísima-Muerte auseinandersetzten und dazu die besten improvisierten Tacos mit Limette servierten und für R. und mich ein unverhofftes Wiedersehen mit dem argentinischen Gaucho Gil bereithielten.


Treiben lassen, ausschlafen, genießen. Dem Festival hätte ein prall gefüllter Süßstand gut getan, spät am Abend entdeckte ich zum Glück noch in einem Zelt verstecktes Libanesisches Kokosgebäck zu Minztee.

Daher begann der Sonntag direkt mit einer großen Portion Süß. Pancakes mit geriebenem Apfel und Himbeeren im Ahornsee türmten sich auf unseren Frühstückstellerchen. In der Form noch nie gemacht, der knackige Apfel und die warmen Himbeeren überzeugten nach dem ersten Biss.


Apfel-Himbeer Pancakes
(für zwei Esser)

3 Eier, getrennt
140 ml Milch
120 g Mehl
1 EL Joghurt
1 TL Backpulver
1 TL Zucker
1 geriebener Apfel
Himbeeren, tiefgekühlt oder frisch (Menge nach Belieben)
Ahornsirup

Das Eigelb mit dem Mehl, der Milch, dem Joghurt, dem Backpulver und dem Zucker zu einem glatten Teig verrühren. Den Apfel untermischen. Das Eiweiß mit dem Salz steif schlagen und behutsam unterheben.

Fett bei mittlerer Hitze in einer Pfanne erhitzen, Himbeeren unter den Teig ziehen und die Pancakes in kleinen Portionen nacheinander backen. Warm mit Ahornsirup begießen und genießen!

Habt ihr auch ein feines Wochenende und leckeres Süß auf dem Tisch? Erzählt es uns, hier und auf unserer Facebook-Seite.

Mittwoch, 20. Juni 2012

GRÜNE QUICHE

Mindestens einmal im Monat verlangt der Hunger nach grüner Soße. Mit Salzkartoffeln und einem halbweichen Ei. Mein Mittagessenmann bereitet sie meist dienstags mit frischen Kräutern aus dem eigenen Garten. Die Zitronenmelisse machts. Und eine Messerspitze Senf.
Vor ein paar Wochen hatte ich einen Bund grüner Kräuter in der Hand und gleichzeitig große Lust auf Quiche. Kurzes gedankliches Fragezeichen und schnelle Tüftellösung: Grüne Soße Quiche.
Der erste Versuch gelang mit fertigem Blätterteig in Miniform, mit Speck und grünem Spargel. Der zweite Versuch erfolgte mit Mürbeteig und optimierter Soße, die wie ein Soufflé aufgeht, dann aber wieder in sich zusammensinkt. Allerdings bleibt die lockere Konsistenz erhalten und darin schmiegen sich die grünen in Zitronenöl geschwenkten Stangen nur zu gern.


Grüne Quiche mit Spargel
Für den Mürbeteig (mein Lieblingsrezept)
200 g Mehl
1/2 TL Salz
1 Ei
100 g kalte Butter, kleingewürfelt
1 EL Eiswasser

Für den Spargel
10 grüne Spargelstangen
Olivenöl aromatisiert mit Zitrone

Für die grüne Soße
1 Bund grüne Kräuter
2 Eier
200 ml Sahne
200 ml Schmand oder saure Sahne
2 EL geriebener Käse (z.B. Parmesan oder Gruyère)
Etwas Salz
Etwas geriebene Zitronenschale

Alle Teigzutaten mit kalten Händen rasch zu einem Teig verkneten, eine Kugel formen und eingeschlagen in Frischhaltefolie mindestens 30 Minuten kalt stellen.
In der Zwischenzeit den grünen Spargel in Salzwasser bissfest kochen und kurz in Olivenöl mit Zitronenaroma anbraten.

Anschließend den gekühlten Teig auf einer bemehlten Fläche ausrollen und eine gefettete Quicheform damit auskleiden. Mit der Gabel mehrfach einpieksen, mit Alufolie auskleiden und getrockneten Hülsenfrüchten oder Reis beschweren. Etwa 10 Minuten mit Folie und Gewicht backen, anschließend weitere 10-15 Minuten ohne Zusatz weiterbacken. Der Teig sollte goldgelb und leicht durchgegart sein. Aus dem Ofen nehmen. 

Die Kräuterblättchen abzupfen und gemeinsam mit den anderen Zutaten in ein hohes Gefäß geben. Alles pürieren, bis eine schaumige grüne Soße entsteht. In die vorgebackene Form gießen, mit Spargelstangen belegen und 40-50 (variiert je nach Ofen) Minuten bei 175 °C Umluft backen.


Habt ihr auch vor Kurzem erfolgreich etwas Kulinarisches ersonnen?

Sonntag, 17. Juni 2012

CLAFOUTIS

Erdbeersüß. So lang die Felder Früchte tragen, wandert immer wieder ein Kästchen Bio-Erdbeeren vom Ackertinienhof in meinen Besitz und sorgt für eine gut duftende Rückfahrt. Pur, mit Zucker und Sahne zermanscht, morgens im Müsli oder zu Eis. Das schmeckt nach Sommer.
Heute zur Regenpause schmecken die Beeren im warmen Teigbett. Clafoutis. Teigmasse wie Biskuit, schmeckt in kleinen Papierförmchen oder als Blaubeerdecke mit Erdbeermuster in der Auflaufform. Meine Masse reichte für Beides. Wollt ihr auch?


Erdbeer-Clafoutis
(reicht für 9 Muffinmulden und eine mittlere Auflaufform)

200 g Erdbeeren
optional 50 g gefrorene Blaubeeren
5 kleine getrennte Eier
100 g Zucker
100 g Mehl
220 g Sahne
etwas Vanillearoma oder Mark einer halben Vanilleschote
1 Prise Salz
etwas Zitronenmelisse, klein gehackt

9 große Erdbeeren auswählen und vierteln, den Rest etwas kleiner schneiden.
Die Auflaufform und die Muffinförmchen fetten, letztere mit Backpapierkreisen, die über den Rand hinausschauen auskleiden. In jede Mulde jeweils vier Viertelstückchen der oben ausgewählten 9 Erdbeeren drappieren. 50 g Zucker mit den Eigelben hell und cremig schlagen. Das Mehl hinzusieben und vorsichtig unterheben. Die Sahne und die Vanille ebenfalls behutsam unterheben. Die Eiweiße mit dem restlichen Zucker steif schlagen und unter die Eigelbmasse ziehen. Die Masse in die Muffinmulden gießen und einen kleinen Rand frei lassen. Restliche Masse in die Auflaufform geben. Wer mag bedeckt vorher den Boden der Form mit tiefgekühlten Blaubeeren.
Das Muffinblech für 15 Minuten im vorgeheizten Backofen (170 °C Ober- und Unterhitze) backen. Jeden Mini-Clafoutis mit klein geschnittenen Erdbeeren garnieren, diese etwas in die Teigmasse drücken und weitere 5 Minuten backen. In der Zwischenzeit die restlichen Erdbeeren auf dem Teig in der Auflaufform verteilen und diese, wenn der Ofen wieder frei ist 15-20 Minuten backen. Fertiges Backwerk mit Zitronenmelisse und nach Belieben mit Puderzucker bestreuen. Schmeckt lauwarm und kalt.

Zum Einsatz kam heute auch ein neuer Fotomitbewohner im Hause mat & mi. Gestern zogen genau genommen gleich zwei neue Lieblingsgenossen bei uns ein. Oben digital, unten analog. Ich freue mich in Zukunft auf leichtes Fotogepäck zu passenden Anlässen.


Katrin sammelt heute nicht nur Lieblingswörter, sondern auch euer Süß!

Sonntag, 10. Juni 2012

ESSEN MIT STRUKTUR

Während der The Hive-Konferenz in Berlin hatte ich das Vergnügen, an einem kleinen Food-Fotografie Workshop mit der mitreißenden und sympathischen Anne von Anne's Kitchen teilzunehmen. Spannend war es zu beobachten, wie jeder das Essen auf seine Art in Szene setzt und wie fein es ist, dass es so viele verschiedene Stile gibt, die die Foodblogs füllen. Manchmal kann einen diese Vielfalt verunsichern und man fragt sich, ob die Art, der man selbst intuitiv folgt, die richtige ist. Man macht es anders, aber fühlt sich nicht wohl dabei.

Und dann macht es wieder Klick. Während ich im Laufe des Workshops nach Untergründen mit unruhigen Strukturen suchte, wurde mir erneut bestätigend klar: ich bin kein Blumenstoff- und Schleifchenmädchen. Ich mag es, wenn das Essen im Mittelpunkt steht, unterstützt von unperfekten Flächen, mit kleinen Rissen, Linien und Unebenheiten. Ich mag Farben, die zum Essen passen - im gleichen Farbschema oder komplementär.
Ich lege also weiter meine Sperrmüllbretter auf den Boden und richte sie zum Fenster aus. Das Essen kommt so vor die Linse, wie es auch auf den Tisch kommt. Das erste Foto wird meist am besten, ich bin trotzdem oft nicht ganz zufrieden. Das ist aber in Ordnung, denn so bin ich auch.



Heute ein Rückblick zu Puderzuckerresten der Erdbeerwaffel aus dem Waffelcafé des Ackertinienhofs. Und Krümel mit Himbeersprenkeln zu guten Gedanken und der Suche nach dem Platz, an dem man sich treu sein kann. Die Pfingstrosen blühen.

Auswärtssüß ist gutes Süß. Draußensüß ist echtes Süß. Nochmehrsüß!

Samstag, 9. Juni 2012

STIELE

Rhabarber und ich sind keine Freunde. Trotzdem schaue ich gerne hin, wenn die ansehnlichen Stangen in Teig gebettet oder auch ganz pur gegessen oder fotografiert werden. Dieses Rot! Optischen Ersatz finde ich in bunten Mangoldstangen, die bis auf das Aussehen wenig mit den sauren Rhabarberstielen gemeinsam haben.

Mangold und ich sind seit dem ersten Ackerjahr beste Sommerfreunde. Im Herbst und Winter trennen wir uns, damit wir uns dann wieder aufeinander freuen können. Die Sammlung mit Mangoldrezepten wächst, meist spielten die Blätter die Hauptrolle. Die Stiele sollte man aber nicht verschmähen, bissfest gegart kann ich sie sehr empfehlen und als Tartestreifen auf herzhafter zitroniger Crème fraîche sind sie ein neuer schnell zu machender Tüftelliebling. Auch wenn die Farbe nach dem Garen ein wenig ausbleicht...


Mangold-Blätterteig-Streifen
(Mengen kommen auf die gewünschte Größe an)

Blätterteig aus dem Kühlregal
Crème fraîche
Saft und Schale einer halben Zitrone
Frische Kräuter, klein gehackt
Frühlingszwiebeln
bunte Mangoldstiele
geriebener Parmesan

Die Mangoldstiele in gesalzenem Wasser bissfest garen, kalt abschrecken und abtropfen lassen. Blätterteig ausrollen und einen Streifen mit der Breite der Mangoldstiele ausschneiden und auf ein Blech mit Backpapier legen. Crème fraîche mit Zitronensaft (1-2 EL pro 200 g Crème), Zitronenschale und Kräutern mischen, mit Salz und Pfeffer abschmecken. Das Grün der Frühlingszwiebeln auf die gleiche Breite der Mangoldstangen zuschneiden. Die Crème auf dem Blätterteigboden verstreichen und abwechselnd mit Mangold- und Frühlingszwiebelstielen belegen. Mit Parmesan bestreuen und im Ofen bei 160 °C Umluft backen, bis der Blätterteig knusprig ist. Warm verzehren.

Was macht ihr mit den Mangoldstielen?

Dienstag, 5. Juni 2012

MAI

Stopptaste. Während der Juni bereits hereingebrochen ist, dreh ich schnell das Köpfchen zum vergangenen Mai und will gar nicht lange hinschauen. Kräftezehrend war er - und wie! Gleichzeitig mehr als lehrreich. In vielerlei Hinsicht. Produktiv war er. Er führte mir vor Augen, welchen Preis manche Dinge haben und wie wertvoll ein Wort, eine Geste, ein nächtliches Bilderbuch, ein gutes Essen, ein Tag mit Freunden, ein Austausch oder ein stiller Moment sein kann.

Vieles musste liegen bleiben. Das soll sich nicht wiederholen. Im Juni zählt anderes! Das Schöne, das Auskosten, das lebendig und draußen sein!



So vieles muss noch gezeigt werden, der Acker, Küchentüfteleien, Kartoffeln auf dem Balkon... oh und das Wörtchen "muss" wird ja eigentlich im Juni gestrichen ;)

Der grüne Schopf ist die erste Acker-Ernte. So darf das gerne weitergehen!

Was zählt in eurem Juni?

Sonntag, 3. Juni 2012

LOCKMITTEL

Bindfadenregen, Wolkenvorhänge und Gedankensprünge. Der Sommer verkriecht sich und ich rühre absichtlich so viel Kaltes und Beeriges in mein Süß, dass er gar nicht anders kann. Eis ist ein Tröster. Und versüßt das Leben doppelt. Vor allem dann, wenn es eher sauer daher kommt.


Für das Fruchteis mixt ihr nach Belieben Beerenpüree, Sahne und Joghurt. Klar getrennt in angefrorenen Schichten oder bunt gemischt in Farbverläufen. In mein Förmchen kam reines Erdbeerpüree mit braunem Zucker, ein Rest davon mit Blaubeer und Zitronenmelisse zermanscht, wiederum ein Rest davon mit Sahne und Joghurt aufgegossen und ganz unten noch mal Erdbeersahne.

Wie versüßt ihr euch den Tag? Hier könnt ihr bereits die ersten sommerlichen Werke bewundern!