Freitag, 26. Oktober 2012

KOMM WIR FAHREN EIN BISSCHEN NACH KOPENHAGEN

Jede Stadt ist anders. Wenn man sie besucht, passt man sich dem Geschehen, dem Wetter und dem Tempo an. Je nach Reisebegleiter sieht man Ecken und Menschen, die überraschen. Vergangenes Wochenende war ich schon wieder auf Reisen. Lang geplant, endlich umgesetzt.

Das Ziel: Kopenhagen. Freitagnachmittag hin, zweimal schlafen und wieder zurück. Durch die Luft und dabei nicht mehr so viele Ängste im Gepäck. Stattdessen gute Erinnerungen an nordische Speisen, ulkige Worte, Kopfsteinpflaster, Frühstückshonigmandeln, Kellerlädchen, gute Gespräche sowie ausdrucksstark und nicht zum sattsehen gekleidete Menschen, vor allem die mit grauem Schopf. Sprich eine Menge Inspiration. Ich teile sie gern mit euch, in ausgewählten Farben, Orten und Mitbringseln.

 

Lachs, rote Bete, Kürbis. Kleine Gerichte, so genannte "Retter" liebevoll gruppiert auf glänzendem Schiefer und fast zu schön zum Essen. Zum Beispiel hauchdünn geschnittene Wildstreifchen zu Preiselbeeren und Püree in Form von Pinselstrichen. Die eingelegte rote Bete war ein Augenschließer und dabei wurde sofort der Plan geschmiedet, die Ackerbete zu Hause genau so würzig mit ein wenig Ingwerschärfe einzulegen. Ich hoffe, es gelingt mir.
Beim Essen in den Back- und Kochbüchern des Besitzers blättern. Dabei den beeindruckenden Almanak ins Herz geschlossen, welcher 365 abwechslungsreiche Rezepte für jeden Tag bereithält. Leider bisher nur auf Dänisch. Nach dem Essen noch kurz in den kulinarischen Regalen stöbern. Und anschließend die Straße weiter erkunden und dabei die Værnedamsvej nicht vergessen, es lohnt sich!
Meyers Deli | Gammel Kongevej 107 | 1850 Frederiksberg 


Gute Getränke gibt es in Kopenhagen an vielen Stellen. Vielfältige Saftsorten, Bier von kleinen Brauereien und zahlreiche Limonaden. Der Kaffee ist köstlich und duftet aus den Cafés auf die Straßen, die Teesorten zum Schnuppern erschweren die Entscheidung. Zwei kleine Orte für Heißgetränke mit ganz bezauberndem Personal haben es mir angetan. Die Kaffeebar sternenlampenhell und mit den von mir geliebten Espressozubereitungsgeräuschen und zwei kleinen Außentischchen für die letzten Sonnenstrahlen. Der Teesalon mit weichen alten Sesseln, Stickkissen und nostalgischem Charme.
Risteriet | Studiestræde 36 | 1455 København K
Tante T-Salon | Viktoriagade 6 | 1644 København V


Auch wenn die volle Fußgängerzone keinen Spaß macht und es mich immer in die Seitenstraßen mit den kleinen unbekannten Läden zieht, ist der Abstecher ins Royal Café ein Erlebnis wert. Sitzen, umschauen, staunen, Blau und Neon treffen auf Bärte zu Hawaii-Hemden und natürlich Smushi auf Royal Copenhagen Geschirr.
The Royal Café | Amagertorv 6 | 1160 København K


Schöne Keramik entdeckt man in den Kaufhäusern, Museumsshops oder Geschäften wie Dora oder Mumuland. Immer wieder meinen Blick kreuzte die handgemachte Tilt-Kollektion von der Dänin Anne Black in einem ganz wunderbaren Mintton.


Wer am Sonntag bis Nachmittag Zeit hat, sollte einen Ausflug nach Humlebæk in Erwägung ziehen. Auch wenn man dort ruhig einen vollen Tag verbringen kann. Der Zug fährt vom Bahnhof in 35 oder vom Flughafen in 60 gemütlichen Minuten durch wunderschöne Landschaften an diesen Ort. Das dunkle Hintergrundblau der durchdacht designten Holzklapptische erinnert mich sofort wieder an diese kleine Zugreise. Ein kurzer Fußmarsch, Tür auf, Tür zu und schon steht man im Louisiana Museum. Dass sich nach einigen Schritten ein weitläufiges Gelände und der atemberaubende Blick auf den Øresund verbirgt, ahnt man auf den ersten Blick gar nicht. "Zwischen Meer und nichts." Du hast so recht Fräulein!
Wenn man sich von der schönen Produktzusammenstellung der verteilten Shopflächen losreißen kann, locken verschiedene Ausstellungen. Self-Portrait wurde unsere Runde. Beeindruckend und zufällig dabei noch einen kurzweiligen Film über Frida Kahlo gesehen, entzückend und bewegend im wahrsten Sinne.
Louisiana - Museum of Modern Art | Gl Strandvej 13 | 3050 Humlebæk 




 

Weitere "klassische" Schlender- und Shopping-Tipps für Kopenhagen findet ihr bei Design*Sponge oder Schöner Wohnen übersichtlich zusammengestellt, damit ihr auch zu HAY und Co. findet.

Wir haben zu Fuß erkundet, zu Rad geht es dort auch ganz hervorragend. Es fällt nicht auf Anhieb leicht, die Stadt ganz zu überblicken geschweige denn alles zu sehen. Aber so hat man einen weiteren Grund unbedingt wieder zu kommen!


Welche Orte oder Farben verbinden dich mit Kopenhagen?

Montag, 22. Oktober 2012

HERBSTZETTEL

Dieses Licht, diese Farben. Der goldene Herbst kann nur versöhnlich stimmen. Noch einmal ohne Mantel an die frische Luft, raschelnd durch die tanzenden Blätter spazieren, eine warme Nasenspitze und wieder neue Stadtfassaden bestaunen. Dorthin entführe ich euch in den nächsten Tagen.

Würziges und Wärmendes steht hoch im Kurs. Der Quittenappetit ist groß. Ich mag sie in allen Varianten aber am allerliebsten klar als Gelee in diesem ins Kupfer gehenden Farbton. Ein Geschmack wie ein wohliges Seufzen, das sich in den weichen Ziegenkäse schmiegt oder mürbe Plätzchen kurz vor dem Fertigbacken so köstlich anders macht. Wenn du es rührst, hebst du mir ein Glas auf? Fremdgerührtes finde ich genauso gut wie unbekannte Butterbrote. Ich tausche auch!

Ein weiterer wichtiger Geschmack, der in Herbst gehört, ist mein persönliches Jaipur. Der Kürbiskönig. Er passt zu allen Knollen und in der Erde gewachsenen Gemüsesorten. Sein Duft zieht in feinen lockenden Schwaden durch das Treppenhaus und auch die rote Bete verneigt sich andächtig.


Ich hab mir einen Notizzettel gemacht, von Hand mit geschwungener Schrift, für kleine Herbstdinge, die ich im Oktober noch erledigen möchte:
  • Bagel backen
  • Rote Bete würzig statt sauer einlegen
  • Mantelknöpfe durch goldene Seemannsknöpfe ersetzen
  • Knödel machen
  • Herbstzweige suchen
  • Ringelblumensamen in Tütchen packen
  • Schwarzwurzeln kaufen
  • Frittatensuppe essen

Was steht auf deinem Zettel?

P.S. Ich freu mich so!

Dienstag, 16. Oktober 2012

HERBST

Der Herbst macht es sich gemütlich. Und dabei blättert man in schönen kulinarischen Bildbänden, füllt das Warenkörbchen mit Herbstgeschenken und schaut Serien, bei dem der Director of Photography zurecht so einen Titel trägt.

Alma weckt die Sehnsucht nach Bewegtbild und auch die Musik geht nicht mehr aus dem Kopf. Dazulernen, erinnern an das stellenweise durch Videotechnik und Schnitt geprägte Grundstudium. Lange Renderzeiten, die zu Pausen zwangen. Viel zu lange habe ich das nicht mehr gemacht. Ein Samstagnachmittag mit einer Idee und der darauf folgenden direkten Umsetzung, rhythmisch aneinandergereiht, alles ganz allein. Ein schönes kleines abschließbares Projekt. Auch wenn andere offen warten. Ausbrechen, den Schwerpunkt verschieben, loslegen. Es tut so gut und ich weiß genau, wer mir das bestätigen kann :)




Mandel-Schokoladen-Makronen
250 g gemahlene Mandeln
60 g Vollmilch-Schokolade
1/2 frisch geriebener Ingwer
2 Eiweiß
100 g Zucker
Zucker und Kakao zum ausrollen

Die Schokolade zu 90% fein reiben, den Rest etwas gröber hacken und mit dem Ingwer mischen. Das Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen, bis sich Spitzen bilden und noch ein wenig weiter mit dem Zucker zu einem glänzenden Schnee mischen.

Nach und nach Mandeln und Schokolade unter die Schneemischung geben, bis ein festerer Teig entsteht, dann noch mal kurz kneten. Anschließend den Teig auf Backpapier, bestreut mit Zucker und Kakao, ausrollen. In beliebigen Formen ausstechen und bei 140°C Umluft 23 Minuten backen.

Lässt man die Kekse einen Tag an der Luft stehen, werden sie wieder weicher. So müssen sie sein. Ein Zartbitter-Gitter steht ihnen auch vorzüglich! Und eine Schicht englische Zitronenmarmelade ist ein ganz wunderbarer Makronenpartner.


Und euer Herbst?

Dienstag, 9. Oktober 2012

KOMM WIR FAHREN EIN BISSCHEN NACH BRÜSSEL

Gesagt getan. Am Freitag in der Früh bequem mit dem Zug (und belustigten Ausrufen der Mitreisenden, als sie die kleinen Häuschen nach der Grenze entdeckten. Ja ja ihr Lieben, in meinem Heimatland, da hat mal ein Riese Häuser in die Landschaft gewürfelt, ganz gleich, ob sie zueinander passen oder nicht) zum südlichen Bahnhof in Brüssel. Ich war zum ersten Mal bewusst dort und sehr gespannt. Auch auf unsere Unterkunft, ein hübsch hergerichtetes Zimmer beim sympathischen Paar Elf und Garret in der abwechslungsreichen und sehr empfehlenswerten Gegend Ixelles, die neben prächtigen Häuserfassaden und einigen Jugendstilperlen, kleine schöne Restaurants, Cafés und Geschäfte bereithält. Perfekt um zu Fuß zu erkunden. So sieht man einiges und kann nach Lust und Laune abbiegen, dabei typische Touristenziele und Einkaufstraßen links liegen lassen. Und immer wieder staunen.

Ein Tag in Ixelles - Art Nouveau, kleine schöne Geschäfte, Fassaden
Die Straßen (Baljuwstraat, Defacqstraat, Waterleidingstraat, Aafrikanstestraat, Kasteleinsstraat, Amerikaansestraat, Edelknaapstraat) rund um die Kirche Trinité sind ganz wunderbar zum Schlendern, Bummeln, Essen oder Kaffee trinken. Wer gerne Trödel entdeckt und dringend Tellerchen zum Fotografieren braucht, besucht das Hinterhof-Sozialkaufhaus in der Amerikaansestraat 101. In Ixelles kann man getrost einen ganzen Tag verbringen und immer wieder auch die zwischen den Fassaden glänzenden alten schönen Bauwerke des Jugendstil-Architekten Victor Horta bewundern, dessen Haus (Hortamuseum - Amerikaansestraat 23-25) man unbedingt besuchen sollte. Ihr merkt schon, die Häuserfronten haben es mir auf dieser Reise angetan.





Ein Tag in in der Dansaertgegend und als Abendessen die weltbesten Pommes
Einen weiteren Tag könnt ihr für die Entdeckung eines anderen Viertels nutzen, in dem man förmlich spürt, dass dort auch in nächster Zeit noch mehr Spannendes passieren wird. Vorher lohnt sich noch ein kurzer Abstecher in die Sint-Hubertusgalerijen (Grasmarkt), die älteste überdachte Einkaufspassage Europas. Dort kann man noch alte Handschuhläden finden und sich an den Chocolatierauslagen die Nase platt drücken. Für mich gabs einen Mokka-Manon bei Corné. Und einen Besuch in einem wunderbar bestückten Kinderbuchladen, den ich am liebsten leer gekauft hätte. Danach startet ihr an der Börse (Beurs) und lauft in die Auguste Ortsstraat, die in die Antoine Dansaertstraat übergeht. In der BarBeton (Hausnummer 114) kann man ein gutes Päuschen zu einem leckeren belegten Baguette einlegen. Wenn ihr an der Léon Lepagestraat angekommen seid, wechselt ihr in diese. Dann den Vlaamseseteenweg zurück (unbedingt bei Pimpinelle reinschauen) und wer mag, macht einen kleinen Abstecher an den Baksteenkai. In der St. Katelijnestraat solltet ihr unbedingt ein Törtchen mit Salzkaramell bei Charli teilen und danach noch durch die Kartuizerstraat und die Straße Oude Graanmarkt flanieren. Kommt man gerade aus einem hübschen Café, entdeckt man ein paar Häuser weiter wieder das nächste. Hungern und verdursten muss man also nicht und wer ein gutes Händchen hat, kann bei den gut gefüllten Second Hand Geschäften (das Beste: T2) Schönes aus vergangenen Jahrzehnten erwerben. Abends muss eine Pommes sein. Die beste der Stadt am Eugène Flageyplein. Nichts für Vegetarier, denn sie werden in Rinderfett gebacken. Man verdient sie sich auch durchs Anstehen. Sie waren herrlich!





Ein halber Tag mit Flohmarkt und Antiquitäten
Wenn die Füße am dritten Tag noch können und der Zug erst am Nachmittag abfährt, lohnt sich ein Abstecher in die Antiquitäten- und Flohmarktgegend Blaesstraat, Hoogstraat und Vossenplein. Gut, dass man die ganzen Tische und Lampen eh nicht im Zug transportieren kann, also wird nur gedanklich neu eingerichtet.


Bemerkenswertes
In Brüssel geht es für das eigentlich meist flache Belgien erstaunlich oft bergauf. Es gibt sehr viele schöne Teehäuser und Bücherläden. Eine Vielzahl Ausstellungen und Stadtevents rundum Design, Essen, Mode, Kunst und Musik. Schokoladengeschäfte in allen Preisklassen und weniger Waffeln als gedacht. Die Restaurantvielfalt ist beeindruckend. Abseits der Touristenpfade ist es auch Samstags sehr angenehm. Busfahren bringt einen nicht immer schnell ans Ziel, auch Samstagabends staut sich der Verkehr. Besser Tram oder Metro. Die Zehnerkarte ist perfekt für Zwei und zweieinhalb Tage. Wer Flämisch oder Niederländisch spricht, muss zusätzlich das (wie in meinem Fall das angestaubte) Französisch auspacken. Dann geht es schneller, einfacher und deutlich freundlicher. Und danke Mama, dass du doch noch ein paar Vokabeln mehr parat hattest und die Brötchenrettung gesichert hast!


Da auch das Wetter nicht die ganze Zeit sonnig war, wurden viele Bilder auch nur mit einem Herzklick gemacht. Das sind eh die besten Erinnerungen! Welche Herzenserinnerung habt ihr an Brüssel?

P.S. Ich erschreck mich immer wieder, wenn ich die Küchenwand sehe. Danke für eure Anekdoten :)

Donnerstag, 4. Oktober 2012

PFLAUMEN

Pflaumenzeit. Groß und kugelrund, das Innenleben hell, rot oder dunkel. Oder oval, mit süßsaurem Zwetschgenfleisch. Halbiert oder geviertelt kommen sie gefächert oder kunstvoll drappiert auf weiche Hefe- oder knusprige Mürbeböden, sie harmonieren mit braunem Zucker, Karamell und zimtigen Butterstreuseln.

Aber auch als herzhafte Variante sollte man sie nicht verschmähen. In der Tajine zu Couscous und Lamm oder im Wok zu kurzgebratenem Gemüse und Reis. Oder etwas eingekocht als süßsaure asiatische Pflaumensauce, die ich mir kürzlich schon so gut zu den Herbstrollen vorstellen konnte. Die Frage nach dem Rezept folgte und dies teile ich nur zu gern. Seit Silvester ist die Sauce, die unter anderem aus der Kombination zweier Rezepte aus Nicoles Stichs "Geschenkideen aus der Küche" entstanden ist, ein lieb gewonnener Alleskönner und Resteaufwerter. Ein wahrer Schmaus!



Süßsaure Pflaumensauce
(für ein Marmeladenglas)

4 Pflaumen, entkernt in Stücke geschnitten
2 cm frischen Ingwer, fein gehackt
1/2 TL Zimt
1 kleine getrocknete rote Chili, feingehackt
4 Szechuan-Pfefferkörner
130 g brauner Zucker
100 ml Reisessig
2 Knoblauchzehen, fein gehackt
1-2 EL Quittengelee
Salz zum Abschmecken

Alle Zutaten bis auf Salz und Gelee zusammen aufkochen und bei mittlerer Hitze köcheln lassen bis die Pflaumen weich sind. Vom Herd nehmen und pürieren. Anschließend mit dem Gelee weitere 10 Minuten aufkochen lassen, bis die Sauce etwas eingedickt ist. Mit Salz abschmecken und in ein sterilisiertes Marmeladenglas füllen. Die Sauce ist einige Wochen im Kühlschrank haltbar.


Beim Zubereiten sollte man drauf achten, dass alle Kern in den Müll gewandert sind. Sonst bekommt man so wie wir während des Pürierens (eigentlich die Lieblinsgbeschäftigung des Mannes) eine ungeplante neue Wanddekoration in der Küche, die nach dem versuchten Abwischen ins komplementäre Grün übergeht ;)

Und eure Küchenwand? Habt ihr euch auch (unfreiwillig) kulinarisch daran verewigt?