Freitag, 15. März 2013

VOM ESSEN ERZÄHLEN

Oft ist es gar nicht das in nachahmbaren Schritten verfasste Rezept, sondern die Geschichte dazu, die mich nicht mehr los lässt. Oft ist es nicht gar nicht der servierte dampfende Teller, der mich fasziniert, sondern die Beobachtung, wie jemand liebevoll die Suppe rührt. Manchmal ist es ein Zutatenname, wie die Muskatblüte, der einen kleinen Zauber in den Wortschatz bringt. Ein Text über Essen kann ohne Bilder auskommen, denn Worte können malen und in Gedanken ein einmaliges Festmahl entstehen lassen.

Ich schrieb es bereits zu einem früheren Zeitpunkt: für mich persönlich ist Astrid Lindgren meine kulinarische Appetitweckerin, die Heldin, die mich von Fleischklößchen, Zuckerkuchen und einer Flasche Saft träumen ließ. Die Speisen aufzählte, die ich mir beim Lesen als das Köstlichste, was es nur geben kann, ausmalte.

Zu Beginn des Jahres entdeckte ich zufällig, dass es tatsächlich ein Buch mit Geschichten und Rezepten zu Astrid Lindgrens leidenschaftlichen Essens-Erzählungen gibt.


In "Bei Astrid Lindgren zu Tisch" erfährt man viel biografisches über die beliebte Autorin. Von klein auf bekam die Bauerstochter die große Wertschätzung und Dankbarkeit für die selbst hergestellten Nahrungsmittel und ihre vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten vorgelebt. Und ich finde ihr gelingt es ganz ausgezeichnet, in ihren Erzählungen jede Speise als etwas ganz Besonderes darzustellen und dabei ihre eigenen Erlebnisse mit dem Essen in die Geschichten zu weben.
Bis heute wird mir allein schon beim Wort "Gerstengrütze" warm ums Herz. Vielleicht liegt es daran, dass sie die Gerichte meist nur aufgezählt und nicht detailverliebt und somit fantasieeindämmend beschrieben hat. Daher stören mich tatsächlich die Fotografien der salzigen und süßen schwedischen Rezepte im Buch. Ich hätte sie nicht vermisst. Vorallem, weil die Speisen mit den passenden Buchzitaten eingeleitet werden.

Ein schönes Buch!

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Passenderweise begegneten mir in den letzten Tagen weitere empfehlenswerte kulinarische Erzählungen:
  • Maria beschreibt ihre Art zu kochen mehr als treffend und sympathisch
  • Das Mood-Magazin verbindet Essen und Musik
  • Die Geschichten drumherum, schön eingefangen und mit Rezepten bereichert von Rohan Anderson 
  • Nebelaufnahmen, die wie gemalt aussehen, und der mutige Käsehersteller Yan im neuen Bewegtbild von tiger in the jar


Und ihr? Welche kulinarischen Erzählungen lassen euch nicht mehr los?

Kommentare:

  1. Guten Morgen Julie.
    Tiger in a jar - in ihren Filmen kann ich vesinken, eintauchen. Seitdem ich die Bilder zum Roto-Beete-Kuchen gesehen habe. Mit so viel Liebe zu dem, was uns nährt.
    Und Marias Sicht auf die Dinge, ihre Worte und Bilder, mag ich auch so sehr.

    Hab Dank für das Fantasieanregen mit Deinen und Astrids Worten.
    Zuletzt las ich "Schlaraffenland" von Stevan Paul und plötzlich war da diese Lust auf Linsensuppe und Griessbrei.

    Ein Wochenende mit vielen wärmenden Sonnenstrahlen wünsch ich Dir.

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  2. einen klick bevor ich dich besuchte habe ich genau dieses filmchen gesehen, welches du empfiehlst :)
    ich träume noch ein bisschen mit meinem lauwarmen kaffee auf den knien und stürze mich dann in die arbeit
    und du - hab ein schönes wochenende
    ___
    tine

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  3. Zum Glück ist es erst Mittag, ich mach mich gleich auf den Weg in die Buchhandlung. Das liest sich nach einem neuen "Lieblingsbuch". Meine all-time Favoritin ist M.F.K. Fisher und zur Zeit auch Elissa Altman (a poor man's feast). Du siehst, ich habe eine starke Affinität zum Englisch-sprachigen.
    Herzlichen Dank für deine Tipp!

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    1. das kann ich direkt zurückgeben, hab du dank für deine lesetipps!

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  4. vielen dank fuer den wunderbaren tipp, julie! das buch ist eine tolle entdeckung. lg missboulette (sorry, klappt nur anonym...)

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  5. du weißt ja, dass ich fast in allem gelesenen etwas kulinarisches entdecke:)
    die flasche saft... ja, ich erinnere mich
    die schien das beste überhaupt
    und wie hießen die süßen teilchen direkt vom blech des bäckers in kalle blomquist?!
    wer weiß, das würde sich so nach einem sommerliche "projekt" für mich anhören.. ob ich mich traue?!
    und: eine kleine geschichte passend dazu: meine schwester reist gerade mit den zutaten für eine schwarzwälder-kirsch-torte in den dschungel von costa rica, da unser kleiner neffe der dort lebt, schon lange davon träumt - seit er eine in einem kinderbuch entdeckt hat...

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    1. anna, deine kleine geschichte ist ja grandios! ich könnte sie mir als gedruckte geschichte, vielleicht auch zauberhaft illustriert, vorstellen. danke für dieses schöne tortenbild in meinem kopf :) und ja, trau dich unbedingt!

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  6. liebe julie (julie, julie julie). meine lieblingsszene ist das fest, das michel für das armenhaus gibt. würste, schinken, pasteten! eine umarmung, a.

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  7. Liebe Julie.
    Danke. Das Buch kannte ich noch nicht.
    Du hast es wundervoll in Worte gepackt. Ich kam durch dein Geschriebenes ins Träumen.
    Alles Liebe dir.
    Marie

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  8. ihre geschichten haben vom tafeln träumen lassen.
    vom reinbeissen in ein saftiges stück apfelkuchen.
    davon, was wohl 'blutwurst' sein mag -
    von Pfannkuchen und zimtschnecken träumend

    "eine wurst ist eine wurst" (krösa-maja.)


    (und das buch ein geburtstagswunsch)

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  9. das buch kannte ich auch noch nicht. danke dir!
    ich liebe es an fremd -bekannten tischen eingeladen zu sein.

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  10. Ah! Sybil Gräfin Schönfeldt. Ich war bei ihrer Vorlesung plus kulinarischer Begleitung zu diesem wunderbaren Buch.
    Einfach schön.
    Auch ein herzliches Buch ist eines von Janosch, dass sagt, warum Apfelmus gegen Liebeskummer hilft. http://www.amazon.de/Bei-Liebeskummer-Apfelmus-Kochbuch-Leben/dp/3809413712

    marleen

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  11. Ein neues Buch über Astrid Lindgren. Das war mir bisher auch unbekannt. Vielen Dank!

    Ich liebe dieses sehr: Von Kletterbäumen, Sachensuchern und kitzligen Pferden: Astrid Lindgrens Kindheit.

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Ich freue mich über eure Worte!