Sonntag, 15. September 2013

REISEGEDANKEN

Jeder Reise ist anders besonders, je nach Route, Begleitung, Gedankengepäck und Wetterspiel. Immer gleich geht es mir jedoch, wenn ich auf diesen Streifzügen in einem besonderen Café einkehre, einen schönen Stöberladen entdecke oder etwas Köstliches auf dem Teller habe. Ich greife nicht zur Kamera. Auch nicht an den schönsten Orten. Ich bin zu höflich, zu zurückhaltend und ehrfürchtig und zu sehr beschäftigt, alle Sinne auf dieses Erlebnis auszurichten. Genuss. Ohne schnelles wackeliges Kameraklickklack und Fotos, die diesem persönlichen Erlebnis nie nahe genug kommen würden. Die den Personen, die alles so liebevoll aufgebaut und zusammengestellt haben, nicht gerecht werden. Etwas anderes ist ein gemeinsam geplantes Festhalten, dann haben beide Seiten etwas davon. Dann geht es aber nicht mehr um einmaliges ein persönliches Momentgefühl. Genauso ist es mit Konzerten. Momente ohne unnötige Ablenkung selbst erleben, denn jeder wird sie anders beschreiben und ein bestimmtes Gefühl und Erlebnis daran knüpfen. Irgendwie beruhigend.


Um einen Gedankengang zu teilen, den ich beim Anblick des Tassenfotos habe: so hängt an dieser besonderen Tasse Kaffee, eingenommen an dem Tisch mit den nachahmenwerten Malstiftmulden, die Erinnerung an den silbern gekleideten Japaner aus dem Plattenladen zwei Häuser weiter und das Bild dieser an der Luft getrockneten Schinkenwürste neben den schönen Tomatendosen im Eingangsbereich des Cafés. Dazu diese französische Familie in der Mitte des Raumes, die Eltern zeigen sich gegenseitig schweigend Kindermöbel in teuren Magazinen und die Kinder wollen einfach nur Kinder sein, langweilen sich und ziehen sich an den Haaren. Wir sitzen am Fenster, hinter mir ein Regal voll mit großen Gewürzgläsern zum Namenraten, und essen saftigen Kuchen, der ein bisschen gesund schmeckt, trinken abwechselnd rote Limonade und beobachten, wie die unerwartet berlinernde Bedienung die Frischkäsecrémes mit dem Eisportionierer anrichtet... all das hätte einfach nicht auf und in ein Foto gepasst und für die meisten ist es einfach nur eine Einhorntasse ohne Henkel.

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Ich bin bald zurück! Bis dahin versuche ich den davon eilenden Sommer einzuholen und aufmerksam zu schauen, wer oder was eine Wegesrichtung vorgibt. Und ein paar Gedankenbilder bring ich euch auch mit, versprochen! Dann gibt es auch meinen Herbstzettel. Herbstanfang kommt doch erst noch!


Kommentare:

  1. da steckt ziemlich viel drin,
    in deinen worten!
    wie immer hier,
    das mag ich..

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  2. du triffst es auf den punkt. man muss auch mal für sich alleine genießen können! muss nicht immer alles im bild festhalten, die gedanken müssen auch mal schweifen können....
    freue mich auf deine gedankenbilder.

    grüßle
    elkesklitzekleinewelt.blogspot.com

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  3. ach so schön! deine gedanken, deine worte. mir fehlt es an beherrschung, beim anblick des aufgetischten nicht die kamera zu zücken. meist will ich es festhalten. für mich. für später. der genuss bleibt aber wahrlich das ein oder andere mal auf der strecke. gespannt auf deine nächsten gedankenbilder - liebe grüße julia

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  4. der herbst in tassen, ich glaub, so kommt er.

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  5. die eine kommt, die andere geht ... wünsche dir, nun bereits unterwegs, eine gute reise, gut in allen dingen, und freue mich auch bei dir aufs wiederkommen, sehr.

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  6. Deine Worte, deine Worte.
    Immer wieder gut, sehr gut!

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  7. Ahh danke, für die Inwortfassung (ein Wort, dass ich mir eben mal so ausgedacht habe) dieser Gedanken, die ich voll und ganz teile. Das Leben einfach mal Leben sein lassen und genießen.
    Ich wünsch dir eine schöne Zeit.

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Ich freue mich über eure Worte!