Mittwoch, 13. November 2013

ZUCKER ZIEHEN

Nach ihrem Schwedenurlaub im Sommer überreichte mir meine Freundin Vroni ein Knistertütchen mit gestreiften Pfefferminzbonbons. Sie erzählte begeistert von ihrem Besuch im Zuckerstangen-Ort Gränna und wie sie dort eifrigen Kindern beim Stangen fabrizieren zusah. Am liebsten hätte sie gleich mitgeholfen. Ob man Zuckerstangen auch zu Hause machen kann? Gute Frage. Wir haben es letztes Wochenende einfach ausprobiert.
Das Resultat: eine kleine Brandblase bei mir, identische Druckblasen an unseren vier Daumen, Muskelkater, mehr als drei Bleche voll mit Bonbons und Stangen, Pfefferminzluft, ein paar gemerkte Kniffe für das nächste Mal und eine Portion kribbelige Freude darüber, dass aus dieser heiß gekochten Zuckermasse tatsächlich festklebrige Süßigkeiten geworden sind, auch wenn die erste Fuhre doch ein wenig an Barbie-Gliedmaße erinnerte.

Wir probierten zwei verschiedene Rezepte aus und waren uns sofort einig, dass ohne Wärmelampe und sonstige außergewöhnlichen Zuckerbäckerspezialgeräte das Rezept für Salt Water Taffy (direkt mit Boardwalk Empire und Schnappsträumen verknüpft) am besten funktioniert und schmeckt. Ein Zuckerthermometer sollte man dafür allerdings in der Schublade haben. Und etwas Geduld, denn die schnell aufgesetzte Zuckermasse muss so lange abkühlen, bis man sie gut in die gefetteten Hände nehmen kann und ist im zu heißen Stadium genau so verlockend und drückbar wie die weichen fast zu heißen Wachsränder von brennenden Kerzen.


Knapp 260° Fahrenheit erwiesen sich als gute Temperatur, die Lebensmittelfarbe sollte flüssig sein und wenn man ein intensives Ergebnis wünscht, nicht zu sparsam getropft werden. Vom Ziehen des Zuckers wird die Masse deutlich heller. Ein reines Weiß wird man nicht erreichen, wenn man Golden Syrup statt Glukosesirup verwendet. Sieben Tropfen Pfefferminzöl brennen erst ordentlich in den Augen, sind dann aber angenehm für den Gaumen. Werden die gezwirbelten Stränge zu kalt, wird auch das Schneiden ohne Bonbonsplitter irgendwann kaum mehr möglich. Vorbeischlendernde Küchenzuschauer wollen gerne auch mal die warme Zuckermasse ziehen und können dann gar nicht mehr aufhören! Sind die Bonbons zu klebrig, helfen feiner Puderzuckerstaub und das Einwickeln in Pergamentpapier.

Ein großer Spaß!

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Wir werden weiter experimentieren, die Farb-, Form- und Aromenvarianten zu verlockend. Welche Sorte sollte in deinem Knistertütchen sein?

Kommentare:

  1. Das sieht nach richtig viel Spaß aus. Doppeltem! Erst die Zubereitung dann das Verzehren. :)

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  2. ich fühl mich gerade wie tommi & annika, die sehnend ihre nasen gegen das süßigkeitenladenschaufenster drücken. selber — wie wunderwundervoll. ich glaube, geschmacklich bin ich eine vanilletante und fände kardamom gerade spannend.

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  3. Oh da hätte ich auch richtig Lust drauf! (Ich geh dann schon mal Brandsalbe kaufen...)

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  4. oha!

    ihr seid ja beinahe verrückt... kein küchengeheimnis ist sicher bei euch:)
    wahnsinn... sogar bonbons werden selbst gemacht...

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  5. Der Hammer! So toll, dass es mir jetzt in den Fingern juckt. Ich will das auch ausprobieren!
    xx
    Jenny

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  6. oh, das erinnert mich an dänemark! das würde ich auch gerne mal ausprobieren, es dürfte auch lakritzgeschmack mit rein. schöne grüße!

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  7. Ich hätte wahrscheinlich nicht nur eine Brandbalse sondern zehn. In sowas habe ich Talent :)! Eure Bonbons erinnern mich an Salzteigkunstwerke, aber ich bin sicher, sie sind köstlich!!

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  8. Wahnsinn - hätte nie gedacht, dass man das selbst machen kann... Supertoll!!! ♥ Inga

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  9. aaah wie toll! das ramtamtamkind ist seit unserem letzten dänemark- trip ganz heiß auf bonbons machen- wir würden wohl anisöl bevorzugen, wie der dänische könig! lieben gruß, pilli

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  10. Bonbons sind und waren (auch schon in Kindertagen) nie mein Geschmack. Nur die einen, aus der Apotheke. Mit Salbei bei Halsschmerzen - da mache ich eine Ausnahme :) Liebst, Anne

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  11. ist das schön!
    e r ist schon ganz verrückt aufs nachziehen :)

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Ich freue mich über eure Worte!