Donnerstag, 30. Mai 2013

DOLDENLILA WIRD SIRUPROT

Gerade noch rechtzeitig fiel mir vor einiger Zeit beim Anblick der schweren und duftenden Fliederzweige ein, dass man daraus köstlichen Sirup kochen kann. Machen statt reden und sich nicht ärgern müssen, dass man etwas verpasst hat. Das gilt für so vieles. Während man mit feingefühligen Fingerspitzen die zarten Blüten von den bitter schmeckenden grünen Enden zupft, kann man sich in den passenden Gedankenschleifen verlieren. Und sich an so manchen persönlichen Vorsatz erinnern. Mit ein wenig Geduld, denn der Sirup muss ein paar Tage ziehen, kann man dann am Ende des Tages den halbvollen Inhalt im (Gedanken-)Glas ein wenig rosa färben.


Montag, 27. Mai 2013

TON IN TON

Ich gewöhne mich nur schwer an das Regengrau, auch wenn ich nicht darüber schimpfen möchte. Bringt ja nichts. Tropf tropf plitsch platsch. Bekannte Töne. Statt picknickend und Federball spielend den Parkvergnügungen nachzugehen, verbringe ich die Zeit mit Regentätigkeiten und warte sehnsüchtig auf die ersten roten süßen Feld-Erdbeeren.


So wird gelesen und geträumt, besonders gut mit dem kleinen feinen Heimat-Zine. Die hölzernen Küchenhelfer bekommen eine kleine und längst überfällige Öl-Kur, die im Stapel wiedergefundenen Bergblumen aus dem letzten Sommerurlaub vervollständigen die Blümchentapete. Die Lampions werden über den Esstisch gespannt, ein bisschen Gartenlaubenatmosphäre zur Brotzeit mit Handkäse und frischen Hefeschnecken. Dazu klingt die Platte von Ólafur Arnalds, dessen wunderbares Konzert für mich leider ausfallen musste. Schniefnase. Schon wieder. Auch daran gewöhne ich mich nur schwer.

Huschikalt ist es auch, dieses treffende Wort lernte ich bei Caro. Dann helfen oft nur noch Gedanken an schöne Orte mit Sonnenschein. Inspiration liefert Svenja.

Wie vertreibt ihr das Grau?

Freitag, 24. Mai 2013

SCHLECHTWETTERESSEN

Das zurückliegende Pfingstwochenende war ein gutes. Ein ruhiges und unaufregendes. Manch einem wäre das zu öde, ich fand es außerordentlich wunderbar. Keine großen Pläne und Verabredungen, die wenigen Sonnenstunden im Garten und auf dem Balkon verbracht und die Regenstunden mit Schallplatten-Orchestern und dampfenden Tellern gefüllt. Ein bisschen eigenbrödlern und ein bisschen durchatmen. Wir hatten ungewöhnlich viel Zeit und Ruhe zum Kochen. Deftiges Schlechtwetteressen. Kartoffeltarte, Bärlauchsuppe, Krautsalat, Tomaten-Kufteh, Polentaschnitten, Sauerteigbrote, Sirup, Pasta mit Spargel und Croutons. Wir tauschten die Plätze von Sofa und Esstisch. Manchmal reichen bereits die kleinen Stellschrauben damit Neues entsteht.

Zur Kartoffeltarte, die eine Art Kartoffelgratin in mürben Teig hüllt, inspirierte uns das schon oft erwähnte Buch Alpenküche, aus dem wir auch die Suppe und den Krautsalat machten. Bisher gelang wirklich alles aus dem Buch und es bleibt daher unser unangefochtener Favorit auf dem Bücherstapel.


Kartoffeltarte - eine Mischung aus Flouzon und Schweizer Cholera-Tarte

600 g Kartoffeln
1 Apfel
2 Knoblauchzehen
200 ml Milch
200 ml Sahne
2-3 EL geriebener Parmesan oder Bergkäse
Salz, Pfeffer und geriebene Muskatnuss zum Abschmecken
180 g kalte Butter, gewürfelt
300 g Mehl

Die Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben schneiden. Den Apfel entkernen, halbieren und ebenfalls fein schneiden. Den Knoblauch fein hacken. Alles in eine Schüssel geben. Die Milch und die Sahne verrühren und kräftig mit Salz, Pfeffer und Muskat  abschmecken und über die Kartoffelscheiben gießen, bis sie bedeckt sind. Mindestens eine Stunde ziehen lassen.

In der Zwischenzeit mit kühlen Händen aus der Butter, dem Mehl, 6 Esslöffeln Wasser und einer Prise Salz rasch einen Mürbeteig kneten, zu einer Kugel formen, flach drücken und in Folie eingeschlagen 30 Minuten kühl stellen.

Eine Quicheform buttern, zwei Drittel des Teiges ausrollen und die Form damit auskleiden. Den restlichen Teig ebenfalls rund ausrollen. Die Kartoffelmischung in die Form gießen, mit dem Käse bestreuen und den zweiten Teigkreis als Deckel auf die Form legen. Überstehende Enden etwas abschneiden und den Rest als Rand eindrücken. Bei 160 °C Umluft in der Ofenmitte 50-60 Minuten goldbraun backen. Am besten schiebt man ein weiteres Blech eine Schiene tiefer, falls die Mischung etwas tropfen sollte.

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Die Spargelnudeln waren eine Zufallskreation, übergossen mit zerlassener Bärlauchbutter eine neue Leibspeise! Dazu kocht man Pasta nach Wahl und gart grünen klein geschnittenen Spargel bissfest. Altbackenes Roggenbrot wird gewürfelt ohne Öl kross gebräunt und eine dicke Scheibe zerlassender Butter mit einer ordentlichen Hand voll gehacktem Bärlauchgrün gemischt. In den tiefen Teller dann erst die Nudeln, dann den Spargel, dann die Brotwürfel, dann Salzflocken und Parmesan schichten. Mit der Butter übergießen, fertig.


Und euer Schlechtwetteressen?
 

Sonntag, 19. Mai 2013

NEULAND

Ackertinien wurde dieses Jahr kurzer Hand an einen anderen Ort verlegt. Dank meiner Freundin Bettina, entdeckte ich vor drei Sommern die Gemüseanbau-Möglichkeit auf dem Bio-Acker. Sie träumte, als sie auf dem Stück neben mir jätete, bereits von einem eigenen Fleckchen Gartenerde und wie es der Zufall so wollte, bekam sie kurz darauf die Möglichkeit, ein komplett verwildertes und zugewachsenes Gartengrundstück zu übernehmen und machte sich bewundernswertem Elan daran, daraus einen betretbaren Garten mit Wiese, Blumen, Obststräuchern und Gemüsebeeten zu machen.
Diese Saison dürfen wir gemeinsam mit ihr - neben dem nötigen Frühlingsjäten - auch die Beete füllen. In den acht umrahmten Flächen und in einem neu vom Mann umgegrabenen Seitenbeet ist ordentlich Platz, der heute in den kurzen nicht ganz so grauen Wetterabschnitten final gefüllt wurde. Mit der Vorfreude wachsen dort in nächster Zeit: Salate, Kräuter, Kapuzinerkresse, Zucchini (gelb, rund und türkisch), Butternuss-Kürbisse, Artischocken, Rosenkohl, Brokkoli, Kohlrabi, Stangensellerie, rote Bete, Mairübchen, Petersilienwurzeln, Pastinaken, Möhren (orange, gelb und violett), Radieschen, Bohnen, Zuckerschoten, Gurken, Paprika, Chilli, Frühlingszwiebeln, Zwiebeln, Knoblauch, Erdbeeren, Fenchel, Spinat, Mangold, Pak Choi und Rhabarber. Letzteren konnte man schon Ernten. Ich bin immer wieder von dem schönen Rot der Stangen angetan. Nur essen kann ich sie leider nicht.


Das Regenwetter bekommt dem Gärtchen mehr als gut, alles wächst und sprießt. Auch das Unkraut. Aber plaudernd und mit der nötigen Kaffeepause ist das Rupfen und Ausstechen halb so wild. Draußen sein, mit den Händen arbeiten, stolz auf das Werk blicken, eine gute Zeit haben. Das wird ein feiner Garten-Sommer!

Euch ein weiterhin feines langes Wochenende!

Montag, 13. Mai 2013

ZWEI FARBEN

Derzeit mag ich das schnelle Kochen. Mittags am Wochenende. Kurz gerührt, lang genossen. Aromen und Farben, die sich zufällig finden. Im Küchenregal die Nudeln bei Seite geschoben und beim Anblick der Regenwolken gedanklich kurz seufzend gebratene Südtiroler Berghüttenpolentascheiben ins Gedächtnis gerufen. Polenta bekommt im Frühling und Sommer gern in allerlei Varianten einen Platz auf dem Teller und schickt dafür den Reis in die Frühlingsferien. Vielleicht findet er unterwegs ein paar warme Strahlen. Inzwischen gibt das Maisgelb sein Bestes und wetteifert mit den Ranunkelsonnen. Auf dem Spargel mischt sich weiteres Bärlauchgrün mit gern gesehenen Zitrustropfen und kleinen dunklen Vanillesprenkeln.
Die grünen Stangen bleiben auch in diesem Jahr mein Favorit. Wer schält schon gern?


 

Grüner Spargel mit Zitrone, Vanille und Bärlauch auf Polenta

500 g grüner Spargel
1 TL Vanillezucker
1 Prise Salz
Olivenöl mit Zitrone
1 Msp Vanillemark
1 EL gehackter Bärlauch
Grobes Salz mit ein wenig Zitrusschale vermischt

150 g schnell kochende Polenta
600 ml Milch
1 TL Gemüsebrühe
1/2 TL geräucherte Paprika
2 TL gehackte Petersilie
Salz und Pfeffer zum Abschmecken

Die holzigen Spargelenden abschneiden und die Stangen halbieren oder dritteln. Wasser mit dem Vanillezucker und der Prise Salz aufkochen und den Spargel bissfest garen. Abgießen und kurz mit kaltem Wasser abschrecken.

In der Zwischenzeit die Polenta nach Packungsanweisung in der mit Brühe und Paprika gewürzten Milch aufkochen und cremig quellen lassen. Am Ende die Petersilie untermischen, danach mit Salz und Pfeffer abschmecken.

1-2 EL Zitrusöl mit dem Vanillemark verrühren, in einer Pfanne erhitzen, den Spargel kurz darin anbraten und schwenken. Den Bärlauch ebenfalls kurz mitbraten. Die Polenta auf den Tellern verteilen, Spargel darüber schichten und mit ein wenig Zitronensalz bestreuen.

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Und euer Spargel? Grün oder weiß? Gestreift? Und womit kommt er bei euch am liebsten auf die Gabel?


Donnerstag, 9. Mai 2013

MITGEBRACHT

Nun ist die Reise fast schon wieder einen Monat her. Die guten Gedanken im Alltag verankert, die Erinnerungen bei jeder Tasse Tee und jedem Pfefferminz präsent. Das Rucksackgewicht machten vor allem hübsche mitgebrachte Druckerzeugnisse aus. Ich konnte nicht alles mitnehmen, manches von den nicht enden wollenden langen Bücherregalen wurde freudig vor Ort durchgeblättert und für einen anderen Zeitpunkt und für euch notiert.

Ein kleiner Trödelschatz: die alte Blechbox voll mit handgeschriebenen Rezepten, ordentlich nach Kategorien geordnet und die Entdeckung einer wunderbaren kulinarischen Bücherreihe, die nach und nach hier im Regal ergänzt wird. Wie es der Zufall so wollte, fand ich ebenfalls im Trödelladen drei Ausgaben für kleines Geld. Jetzt fehlen "nur" noch 15.


Neben der Bücherreihe, der andere Stapel:
  • The Green Kitchen: Meine hohen Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Gefällt mir sehr!
  • The Foodie Bugle: Schönes Format, genussvolle Geschichten matt auf dickem Papier. Zwischendrin ein wenig zu verschnörkelt, dafür schön illustriert.
  • Cereal Mag: Schlicht und klar, ansprechend gesetzt und fotografiert. Bei den bekannten Mitwirkenden aber auch nicht anders erhofft. Toppt für mich Kinfolk. Trotzdem wünsche ich mir grundsätzlich mehr Neuentdeckungen. Menschlich, kulinarisch, fotografisch.
  • River Cottage Handbook Bread: Das wählte der Mann für weitere Inspiration zum Brot kneten. Handlich und informativ und neben guten nicht zu experimentellen Brotrezepten fanden wir einen neuen Pizzateigfavoriten. 

Nun noch die vor Ort bewunderten Koch- und Backbücher, für eure und meine Wunschzettel:
  • Come in we're closed: Ein sehr schönes und innovatives Buchkonzept. Der Blick auf die Tafel, wenn die Restaurant-Crew gemeinsam und unter sich speist. Die Autorinnen reisten durch 25 Restaurantküchen und verraten anschaulich, welche großen Topfgerichte wo auf den Tisch kommen.
  • Tender: In England füllt Nigel Slater die Bücherregale. Nicht alles, was ich durchblätterte, gefiel mir auf Anhieb. Tender allerdings sehr. Es gibt zwei Ausgaben, die eine hat Gemüse, die andere Früchte als Schwerpunkt.
  • Short & Sweet: Ein backender Mann füllt ein dickes Buch mit vielen Kniffen und abwechslungsreichen Rezepten. Und stellt es sehr sympathisch in einem kleinen Video vor.
  • Salt Sugar Smoke. Haltbarmachen, Einkochen, Konservieren. Aber so, dass man wirklich Lust darauf bekommt. So werd ich mir den Sommer in Gläser abfüllen. Auch bei Valentina sehr gut bewertet.

Vor dem Urlaub las ich auch noch das schöne Buch vom Salz. Die vielen Eselsohren zeigen, dass mich wie so oft, kleine Beschreibungen vom Kochen, vom Zubereiten und vom Essen an sich sehr berühren können. Ich freue mich über jede neue Buchentdeckung in diese Richtung und halte erste Fundstücke fortan auch hier fest.

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Ihr haltet hoffentlich einen schönen Feiertag fest!

Freitag, 3. Mai 2013

WIEDER BIS ANS MEER IN EINE NEUE LIEBLINGSSTADT

Die vierte und letzte Etappe. Die leise Wehmut, dass die Reise sich dem Ende naht, wurde vom Anblick der pastellfarbenen Badestadt für die letzten beiden verfügbaren Tage fortgewischt. Brighton. Genau meins. Abwechslungsreich, mit Ecken und Kanten. Ein bisschen wie in einer Filmkulisse. Im Zentrum sogar noch Platz für einen imposanten indischen Palast. Alles übersichtlich in eine Stadt gepackt. Den Zauber vergangener und besserer Tage kann man an den Fassaden erahnen, unsortierte Trödelvitrinen verleiten zum Schatzsuchen, blinkende Lichter sprenkeln das Dunkel. Glücksspiel und Vergnügung locken nebelverschleiert am Wasser, dazu rollt die See schäumend über die groben Kieselsteine. Großartiges und preisgekröntes (in Brighton werden gerne Awards verliehen) vegetarisches Essen räumt mit bekannten Clichees auf, die Gassen lassen einen schlendern und um die Ecken schauen, die Liebe zu schönen Produkten und regionalen Zutaten sowie die Wertschätzung von Kunst, Musik und Festivals prägen auf charmante Art das Stadtbild. Sehenswert auch die zufällig entdeckte Hemden-Installation der Finnin Kaarina Kaikkonen in einer kleinen Kirche. Die Hemden wurden von Anwohnern aus Brighton und dem benachbarten Hove gespendet und werden nach der Ausstellung an Oxfam weiter gegeben.

Ein Sommerbesuch kommt auch die Wunschliste, mit gestreiftem Badeanzug und Picknickkorb, dessen Inhalt im Umland erworben wurde. Sussex klingt sehr vielversprechend.


Wie bisher auf dieser Reise, ausgewählte Dinge und Orte, die ich euch ans Herz lege:
  • Steckt euch vor Ort einen kostenlosen und schön gestalteten Green Brighton Guide und eine Brighton Art Map in die Hosentasche
  • Meine Trödel-Favoriten: Brighton Flea Market und Snoopers Paradise, diese Liste verrät neben den Adressen der beiden noch weitere
  • Schönes Geschäft für Küchenutensilien: Utility
  • Gute Unterkunft mit Fisch-Frühstück: The White House
  • Kaum gewagt, die schön angerichteten Teller zu zerstören und dabei glücklich die vegetarische Experimentierfreude bewundert: Lunch bei food for friends und spätes Abendessen (dann bekommt man eher einen Platz) bei Terre a Terre. Dort kann man einen Querschnitt aus der Hauptgerichtskarte in Mini-Portionen bestellen, unglaublich lecker!

Nach Brighton ging es wieder zurück in die große Stadt und durch den Tunnel an die belgische Küste für eine letzte Portion dicker Fritten und dann wieder nach Hause, um die Schätze und Teepackungen auszupacken und die guten Gedanken zu sortieren. Ich nahm mir seitdem vor, mehr im Alltag zu reisen - bisher gelingt es mir ganz gut, finde ich.