Mittwoch, 30. Oktober 2013

HERBSTGESAMMELTES

An dieser Stelle ist es leiser geworden. Im Tagtäglichen dagegen eher schallend und überdurchschnittlich entscheidungsfreudig. Die Sommererholung wurde flugs von herbstlichen Neuanfängen durcheinandergewirbelt. Turbulent und berührend. Der Herbstzettel dabei immer wieder in Bearbeitung. Und eine Kastanie hab ich jetzt auch.

Nach der Nordspanienreise und dem vielen Auswärtsspeisen, wird die Küchenzeit nun doppelt und dreifach genossen. Im frühen Dunkel bei vom Wasserdampf beschlagenen Küchenfenstern, dazu die kleine Lampe mit dem Drehschirm angeknippst. Zubereitung von Zwetschgen im Speck oder Ragout, Salbeibutter, Polenta mit Steinpilzen und extra viel Petersilie, Quittentarte, ofengetrockneten Tomaten mit Pinienkernen, Bergkäse und Nudeln, Ziegenbutterkaramell oder herzhafter Tarte Tatin. Wenn sich die Aromen köstlich mit den vom Tag erzählenden Worten mischen und die Teller nach einem kurzen zufriedenen Innehalten eine letzte bedachte Umdrehung aus der Salzmühle abbekommen, danach - Achtung heiß! - an die liebgewonnenen Positionen auf dem Tisch balanciert und zurechtgerückt werden, dazu ein Prost und ein ehrliches Lächeln, dann ist es gerade genau das, was ganz schön dankbar und lebensfroh macht.



Der Mann hat sein Fotografiestudium begonnen. Nach einer Dekade auf Bürostuhlrollen.

Dienstag, 8. Oktober 2013

HERBSTZETTEL

Ich hoffe auf einen goldenen, nicht zu verregneten. Auf einen gemütlichen und herzlichen, einen erlebnisreichen und suppenwarmen. Einen nicht zu schnell von der Weihnacht vertriebenen und nicht zu schniefnasigen, einen nach Muskat, Vanille und Zimt schmeckenden Herbst.

Fast jedes Wochenende öffnen wir seit Wochen ein oder zwei Gläser der Sommermarmeladen. Die Aromenfarben reichen von Kirsch-Holunder, Aprikosen-Lavendel, Erdbeer mit und ohne Cassis, Himbeer-Kirsch über Sauerkirsch-Heidelbeer, Brombeer mit und ohne weißen Pfirsich bis zur Mirabelle. Das Marmeladekochen in Dreigläserportionen, eine nicht geplante neue Sommerliebe. Bis auf den selbsgestreuselten Kuchen, kann der Sommerzettel zufrieden abgehakt werden. Ich knickse besonders tief zum Abschied, denn die warmen Monate waren wirklich wirklich gut!

Samstag, 5. Oktober 2013

GEFUNDEN!

Am 19. September fanden wir den Sommer. In Nordspanien. Genauer gesagt im Örtchen El Pito. Die ungeplante Reise, auf der wir nur mit faltbaren alten Straßenkarten, Wegbeschilderungen, Wetterprognosen und Empfehlungen navigierten, führte uns durch die Schweiz nach Frankreich und dann nach Kantabrien, Asturien und Galizien und wieder zurück mit Schlenkern durch das Baskenland und Aragonien. Das endgültige Sommeradieu in den spanischen Pyrenäen. Im Rücksack Sommerkleid, Wanderschuh, Strohhut, Wollpullover, Badesachen, Schal. Alles durfte mal zum Einsatz kommen.

Ich schätze diese Art des Reisens. Sehr! Sich überraschen lassen, bleiben oder weiterziehen. Sich zurecht finden, Unterkünfte suchen, immer wieder. Um die Ecken schauen und Entscheidungen treffen dürfen und müssen. Manchmal ganz schön flott, bevor die Ausfahrt nur noch im Rückspiegel zu sehen ist. Neue Gerichte kennenlernen, an vielen Tischen sitzen. Picknick an den wilden nahezu menschenleeren Stränden und Streifzüge in kleinen nebensaisonverschlafenenen Dörfchen. Süßes Frühstück, die Pfirsichmarmelade als Erkennungsmerkmal. Draußen essen, spät am Abend. Bäckereiauslagen bestaunen. Der Kaffee überall schmackhaft und stark. Merken, wie gut man es eigentlich hat. Beobachten, wie Menschen leben und arbeiten. Feststellen, dass man manche Orte sofort lieb gewinnt und sich andere nicht ganz erschließen lassen. Sich manchmal fremd aber viel öfter willkommen fühlen. Ein Lächeln wird überall verstanden.