Montag, 9. November 2015

HERBSTZETTEL

Loslegen und einen neuen Anfang finden. Das geht immer gut mit Notizen und Listen und Wünschen. Noch dankbar dem herrlichen Sommer nachhängend, schließe ich den Herbst trotzdem in mein Herz. Und seit heute ist auch endlich der pfeifende Wind da, der alles tanzen lässt und den kleinen neugierigen Jungen in meinem Arm zum Staunen und Jauchzen bringt. Ich halte fest:


  • Das Herz mit saisonalem Kitsch füllen: seit diesem Herbst auch eine kleine Glückskastanie in die Manteltasche stecken, die Melancholie des Morgennebels, das geheimnisvolle plötzliche Ästeknacken im dunklen Nachmittagswald, die farbenfrohen raschelnden Blätterteppiche, der Quittenduft, der durch die Räume zieht. Dazu das leise Fernweh, ausgelöst durch kleine und große Zugvögelformationen.
  • Reden und dabei laufen. Große Runden. So viele Schritte, mit müden und mit wachen Augen. Sinnierend und darüber nachdenkend, wie sich Ehrgeiz, Fleiß und Mut unterscheiden oder wie sie sich vereinen lassen.
  • Andächtig essen und wirklich schmecken. Dabei entdecken, dass so manche Traube eher wie Maracuja schmeckt, ein herrliches Granola genau die richtige Salzmenge hat und Fenchel eigentlich doch ganz lecker ist.
  • Kekse backen. Und in eine schöne Blechdose füllen. Keine feinen Plätzchen, sondern echte ehrliche herbstliche Kekse. Dicke Kekse, etwas zu große Kekse. Kekse zum knacken, krümeln, tunken, stärken, teilen. Die Lust weckte dieses Shortbread zubereitet von Anna. Bei mir gerieten sie trotz Balkonkühlung etwas aus der Form, ich tüftele weiter. 
  • Ich suche: ein gelingsicheres Rezept für perfekte Nussecken. Wer hat eins? Denn ich habe sie wiederentdeckt. Und mich wieder verliebt. Sie vorsichtig nach Hause transportiert oder direkt gegessen und mir freudig die Schokoladenfinger geleckt.
  • Weiter ausmisten. Schon wieder. Ich bin wohl ein Etappen(aus)sortierer. Platz schaffen. Ruheinseln für die Augen. Die Zeit ist eh schon knapp. Verteilen, verschenken, verkaufen. Andere glücklich machen und immer wieder feststellen, dass man weniger konsumiert, wenn alles gut ist.
  • Maroni sammeln, in Hosen- und Jackentaschen. 
  • Listen schreiben, weil der Kopf nicht hinterherkommt. Eine für Schönes, eine für Nerviges. Und sie dann miteinander ausgleichen.
  • Langsamer gehen, weniger Eilen und mehr wahrnehmen. Die Kamera wieder mehr in die Hand nehmen, kleine Details einfangen. Atmen. Und im magischen Vorabendlicht eine Runde im schönsten Park der Stadt drehen. Dabei werde ich ruhig und weiß, dass gerade alles anders - aber doch eigentlich gut ist.