Sonntag, 19. Juni 2016

TROMBETTA DI ALBENGA UND EIN GOLDENER SACK ERDE

Als wir vor zwei Jahren in Ligurien weilten, entdeckten wir dort auf dem Markt und im Supermarkt sehr lange schlanke gebogene hellgrüne Zucchini. Sie lachten uns an, wir nahmen sie mit, schnitten sie in Scheiben, brieten sie in gutem Olivenöl an und probierten sie. Das Fleisch war fest und kernlos, der Geschmack aromatisch und an Artischocke erinnernd. Köstlich!
Einige Abende später saßen wir im schönen Örtchen Dolcedo, welches auch insgeheim Deutschedo genannt wird, weil sich viele Deutsche in der Gegend in den 80er und 90er Jahren ein spottbilliges ansehnliches Ferienhäuschen kauften und man an vielen Ecken Deutsch hört. So hörten wir unweigerlich wie am Nebentisch ein Herr, der bereits das Kaninchen auf seinem Teller in den höchsten Tönen lobte, zu seiner Frau sagte: "Du musst diese Beilage probieren, das schmeckt so gut!" Er winkte den Kellner heran und wollte erfahren, was er da Gutes esse. Trombetta meinte der Kellner. Und als die Fragezeichen größer wurden eilte dieser in die Küche und kam mit der langen gebogenen Zucchini zurück.

Spannend an der Keulenzucchini Trombetta di Albenga ist, dass die rankenden Früchte jung und grün als Zucchini geerntet und verarbeitet werden können, die ausgewachsenen Früchte dann nachdunkeln, als Kürbis gelten und geschält verarbeitet werden müssen. Zwei in eins also. Und da sie ganz herrvorragend in die Höhe wachsen und ich oft wehmütig an Ackertinien denke, für das mir auch diese Saison noch die Zeit fehlt, machte ich mich auf die Suche nach Biosaatgut der Trombetta und wurde schnell fündig. Da alleine Anbauen aber weniger Spaß macht und mir eh schon eine perfekte gemüseverrückte Kombination einfiel, schrieb ich einige Zeilen zu Micha nach Frankreich und fragte nach, ob sie mit ihrem Habib auch welche anbauen möchte. Gartenparadies versus Stadtbalkon. Der Plan war schnell besiegelt, ich teilte die Samen auf und als wir beide die Samen zur Hand hatten legten wir los.

 

Ich wollte den Anbau in einem Sack Erde ausprobieren. Da lag nun dieser große unschöne Erdsack auf dem Balkon und erinnerte mich eher an eine Werbefläche. Äh und dann geschehen manchmal in Sekunden Dinge, die man vielleicht etwas länger hätte durchdenken sollen. Der Sack wurde innerhalb von Minuten golden. Extravagant golden. Da meine weiße Sprühfarbe eingetrocknet war, griff ich also zu einer anderen Dose, die seit Jahren auf irgendeinen Einsatz wartet und sprühte drauf los. Ja, auch ein wenig daneben. Und die Fingerkuppen wurden immer glänzender. Und auch diese Farbe reichte nicht ganz. Egal. Vorsichtshalber kam noch eine Schicht Klarlack drauf (noch eine Dose die endlich mal Verwendung fand). Der Sack wurde am Boden für den Wasserablauf noch ein wenig eingeschlitzt, die Oberfläche dann an zwei Stellen etwas größer, damit ich zwei Samen einpflanzen konnte. Eine anfängliche Weckglashaube hielt ich auch für schlau und wärmend. Dann hieß es immer mal wieder gießen und warten. Nach einer Woche regte sich immer noch nichts. Auch in Frankreich nicht.

 

Sicherheitshalber pflanzte ich zwei andere Samen in kleine Töpfchen und siehe da, nach einer Weile schaute aus dem einen ein grünes Blatt heraus. Und im goldenen Erdsack fand ich dann zufällig doch noch ein Ergebnis, der Zögling war in die falsche Richtung gewachsen - ich hatte ehrlich gesagt beim Stecken des Samens nicht darüber nachgedacht ob es da ein Oben und Unten gibt. Es scheinen sich zu dem Thema auch die forentreuen Hobbygärtner uneins zu sein. 

Die Pflänzchen sind mittlerweile in größere Töpfe gewandert und dabei tauchte in dem zweiten kleinen Töpfchen noch ein weiteres Pflänzchen auf, welches sich ebenfalls in der Richtung geirrt hatte.


Nun dürfen die drei wachsen, ich halte sie noch etwas von den Regenmassen fern und gieße sie lieber schonend und stelle sie in die Sonne, sobald sich diese auch mal wieder zeigt.

In Frankreich wurde mit neuem Saatgut noch mal von vorn begonnen. Ich hoffe, es gibt auch bald von dort Erfolgsmeldungen zu lesen :)

Fortsetzung folgt!

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Kennst du Trombetta? Und was pflanzt du in deine Töpfe?

Kommentare:

  1. Oh das klingt so spannend! Die würde ich auch in meinem Garten pflanzen wollen ...

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  2. Oh wie schön Julie, das freut mich! Bin gespannt was du berichtest. Bei mir wächst und gedeiht dieses Jahr Mangold, Wildkräutersalat und jede Menge verschiedenes Basilikum in den langen Balkontöpfen. Grade ist auch eine Kapuziner-Kresse ausgesprossen. Dieses Jahr habe ich mich auch wieder an Tomaten versucht und sechs Stück gedeien grade prächtig. Dazu kommen noch diverse Kräuter und Teegewächse wie Oregano, Thymian, Majoran, Rosmarin und Salbei (der leider grade eingegangen ist). Frisch eingezogen sind gestern mal ganz neu Aztekisches Süßkraut und Koreanischer Gingseng. Ich bin gespannt wie sich alles weiterentwickelt. Der Balkon ist schon fast ein Dschungel, aber fertig bin ich noch nicht. Wo hast du die Samen denn bezogen? Ich sende ferndrücker, fernschmatzer und ein "du fehlst immer noch"! :)

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    1. Du bist der Knaller liebe Hanna - alles Liebe in deinen Dschungel <3

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Ich freue mich über eure Worte!