Samstag, 14. Januar 2017

PICKNICKLEKTÜRE

Wer im vergangenen Sommer picknicken wollte, wurde anfangs (und teilweise wochenlang) ganz schön herausgefordert. Wer neben guten Sachen aber ein wenig Flexibilität und Gelassenheit eingepackt hatte, wird später noch oft von diesem Tag sprechen, als man in Kolonne klingelnd mit dem Rad Richtung See aufgebrochen ist und dann vom Regen aufgescheucht das Festmahl stehend und lachend an einem provisorisch mit Teelichtern beleuchteten Bushaltehäuschen ausklingen ließ. Oder als man den Inhalt des Picknickkorbs für den Open-Air-Kinoabend spontan mit wildfremden Besuchern teilte, weil Sturm aufzog und Minuten später schon die Blitze zuckten. Ein von mir geplantes Picknick mit Freunden wurde letztendlich kurzfristig auf unseren Wohnzimmerboden verlegt, es war wunderbar! Eine liebevolle Erklärung an das Regen-Picknick schrieb auch Wolfgang Lueff.

Ein Picknick muss nicht kompliziert sein. Weder hinsichtlich der Speisen noch hinsichtlich des Ortes. Und es ist vor allem nicht nur dem lauen Sommer vorenthalten. Dafür spricht sich auch Julia Kutas in ihrem in diesem Jahr erschienenen Buch "City Picknick" aus. Sie lädt dazu ein, die eigene Stadt ganz neu zu entdecken und in großen oder kleinen Runden eine gute und köstliche Zeit zu haben. Ganz gleich ob man die eigene Mittagspause besonders zelebriert oder ein paar Leckereien zusammenpackt und freudestrahlend überreicht, damit jemand anderes es sich mal gut gehen lässt. Oder ob man mal wieder zum Filmabend lädt und ein paar leckere Snacks bereitstellt. 

Das Buch sticht optisch durch die abgerundeten Ecken heraus. Es erinnert an ein Notizbuch und so passt es, dass Julia in ihrem Buch auch die ein oder andere sympathische Anekdote preisgibt. Sie erzählt vom Scheitern ihrer ersten kulinarischen Ideen und davon, dass sie sich trotzdem nicht beirren ließ: "Meine Idee war, einen Picknickkorb mit selbstgemachten abgewandelten Wiener Delikatessen anzubieten. Ich eröffnete sogar einen Onlineshop für dieses Projekt. Trotz meiner großen Ambitionen und meines Optimismus wurde kein einziger Picknickkorb bestellt."

Julia eröffnete 2010 ein kleines Restaurant, die hiddenkitchen, in Wien. Mittlerweile gibt es zwei Dependancen. Die Picknickkörbe sind sehr beliebt. Und sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, keine Quiche doppelt zu machen, also umfasst ihr Quiche-Repertoire mittlerweile mehr als 1000 Rezepte. Ich mag solche Eigenheiten.

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Zucchini-Walnuss-Suppe
Spinat-Salat mit Miso-Kürbis
Quiche mit Prosciutto und Feigen
Walnusskuchen mit gerösteter Tomatensauce
Süßkartoffel-Apfel-Salat mit Macadamianüssen
Mini-Granola-Apfel-Crumble
Mohnpesto
Milchreis mit Espresso-Birnen
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Der Aufbau des Buchs nimmt ein wenig an die Hand und zeigt erst Mal einen übersichtlichen Baukasten, der alle Punkte für ein gelungenes Picknick berücksichtigt. 

Die einzelnen farblich codierten Kapitel widmen sich verschiedenen Picknickanlässen und die unkomplizierten Rezepte sind passend dazu abgestimmt. Merkmale wie vegetarisch, vegan, gluten- oder laktosefrei sind jeweils hervorgehoben und teilweise sind entsprechende Variationen berücksichtigt. Die Zutaten sind nicht zu exotisch oder abschreckend, sodass man beim Durchschauen auf jeden Fall animiert und inspiriert wird gleich loszulegen. Wenn nötig, steht auch ein Tipp zum optimalen Transport des Gerichts dabei. Julias große Freude am Rezepteentwickeln zieht sich wie ein roter Faden angenehm durch das Buch.
Nicht alle Rezepte sind bebildert, manche wurden auch mit Hilfe von Illustrationen veranschaulicht. Die Fotos sind farbenfroh und authentisch und bilden die Gerichte appetitlich ab.






































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City Picknick
Julia Kutas
Erschienen 2016 im Brandstätter Verlag
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