Mittwoch, 8. März 2017

MOTTAINAI: REZENSION & VERLOSUNG

Ein strahlendes Zitrusgelb leuchtet einem auf dem Cover des seit heute erhältlichen Kochbuchs von Tainá Guedes entgegen. Tainá selbst streckt kämpferisch und selbstsicher eine Ingwerknolle in die Höhe und ruft unter dem aus dem japanischen Buddhismus stammendem Prinzip "Mottainai" zu einem achtsamen und respektvollen Umgang mit Lebensmitteln auf, indem man sie sorgsam auswählt, kreativ und dankbar mit ihnen umgeht und auch noch aus dem letzten Krümel ein wertvolles Mahl zaubert statt ihn unbedacht zu verschwenden oder gar wegzuwerfen. Sie betreibt in Berlin die Entretempo Kitchen Gallery, rief die Food Art Week ins Leben, war bereits erfolgreiche Restaurantbesitzerin in São Paulo, ist ausgebildete Köchin und versteht sich als eine mit Essen arbeitende Künstlerin. Ihr erstes Kochbuch Kochen mit Brot erschien 2014.


Die Küche der ACHTSAMKEIT
- MOTTAINAI: Nichts verschwenden, kreativ kochen, gesund essen -
Tainá Guedes
Erschienen 2017 im Antje Kunstmann Verlag


Tainá wuchs in Brasilien auf, ihre Eltern begeisterten sich für das Kochen und ihr Vater ernährte sich streng makrobiotisch. So kam sie von Klein auf in den Genuss verschiedener Länderküchen, Zubereitungsweisen und Kochprinzipien und lässt sich bis heute davon inspirieren. Ihre japanischen Wurzeln und die Liebe für die japanische Kochkunst haben dabei großen Einfluss darauf, wie Tainá Essen zubereitet. Und eben auch die Grundidee von Mottainai, die sie so sehr verinnerlicht hat, dass sie sie in ihrem Buch genauer vorstellen und teilen möchte - mit dem Wunsch, die Welt im positiven Sinne zu verändern.

Die meisten Rezepte werden mit persönlichen Erzählungen und Erinnerungen eingeleitet, auch Projekte, Initiativen und Menschen, die ihr besonders am Herzen liegen, finden dabei Erwähnung.



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Die kurz gehaltenen Kapitel stehen für Tainás verschiedene Lebensstationen und erläutern passend dazu auch das von ihr definierte Denken und Handeln im Sinne von Mottainai:

Kapitel 1: Erinnerungen bewahren
Vor allem Rezepte der Mutter und Kindheitserinnerungen aus der Zeit in Brasilien.

Kapitel 2: Achtsam sein
Vegetarische von der traditionellen Shojin-Ryori-Küchenphilosophie inspirierte Rezepte, die die Sinne schärfen und zeigen, wie wert- und geschmackvoll die "Einfachheit" von Speisen sein kann.


Kapitel 3: In Harmonie leben
Rezepte und Anekdoten aus ihrer Lehrzeit im Restaurant Nippon-Kan in Düsseldorf und die Gastfreundschaft unter den Kollegen.


Kapitel 4: Nichts verschwenden
Jeder von uns wirft pro Jahr durchschnittlich 6 Kilogramm Brot in den Mülleimer, Tainá widmet dieses Kapitel den Brotresten.

Kapitel 5: Ressourcen schonen
Haltbarmachen ohne Energie zu verschwenden. Hier geht es um das Fermentieren, veganes Kimchi, Misozuke, selbstgemachten Joghurt und die Herstellung von Himbeerkwas.

Kapitel 6: Die Natur achten
Die Rezepte verwenden regionale Zutaten und Tainá erzählt von dem landwirtschaftlichen Projekt SpeiseGut.

Kapitel 7: Wertvolles wertschätzen
Kann Kunst Ess- oder Wegwerfgewohnheiten dauerhaft ändern? In diesem Kapitel geht es um die Entretempo Kitchen Gallery und die Speisen verschiedener vergangener Events.

Kapitel 8: Reagieren
Ein kritischer Blick auf Industriezucker und Rezepte mit natürlichem Zucker.

Kapitel 9: Nichts wegwerfen
Rezepte, die das Wegwerfen vermeiden und Schalen, Überreifem und Übriggebliebenem eine köstliche Bestimmung geben.

Kapitel 10: Eine Art, danke zu sagen
"Was ich koche, um meinen Sohn glücklich zu machen".

Grundrezepte
Einkauf und Aufbewahrung von Lebensmitteln
Bezugsquellen
Glossar

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Die vielen Fotos in dem Buch stammen überwiegend von Kathrin Koschitzki, vielen auch als Photisserie bekannt. Ihre Handschrift blitzt vor allem an den Stellen passend hervor, wenn das ein oder andere liebevolle Detail oder Augenzwinkern zu erkennen sind.
Die abgebildeten Keramikarbeiten werden am Buchende noch einmal genauer genannt und dort ist auch im Kleingedruckten zu sehen, dass das Buch in einer Druckerei, die Wert auf Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung legt, gedruckt wurde. So schließt sich auch der Mottainai-Kreis bei der Buchproduktion.

Das habe ich ausprobiert
Grundrezept für perfekten Reis: bei der Zubereitung nimmt man sich Zeit und das lohnt sich!
Gemüseschalen-Sushi: ich mag die Idee, es schmeckt und ich kann mir vorstellen, zukünftig auch mit Gemüseschalen bei Sommerrollen und Co. zu arbeiten.
Tonkatsu-Sauce: mag ich eh gern und nach diesem Rezept fand ich sie sehr lecker, vor allem zu kurzgebratenem Gemüse.

Geplant auf jeden Fall auch noch: Bananenschalenschnitzel, Kaki-Zitronen-Eiscrème, Okonomiyaki, Pudding mit schwarzem Sesam, Vatapá, Misozuke, Bohnencrème mit Lavendelblüten und die geeiste Suppe mit Ananasschale, Gurke und Wasabi!


Mein Fazit
Es ist ein sehr persönliches Buch, das Lust aufs Kochen macht und inspiriert, in der Küche neugierig und bedacht zu Werke zu gehen. Es erinnert daran, die Wertschätzung vor den Zutaten, den Produzenten und letztendlich auch der Natur nicht zu vergessen und sich die nötige Zeit für den Genuss oder ein ausgedehntes Essen mit lieben Menschen zu nehmen.
Manche Fotos sind mir ein wenig zu steril, ich hätte mir in Kombination mit den persönlichen Texten teilweise mehr Umfeld, mehr Mensch, mehr Tainá, mehr natürliches Licht oder eine andere Farbstimmung und weniger auf farbige Pappen gelegtes gewünscht. Bei manchen Abbildungen fehlt mir schlichtweg ein Teller oder ein anderes Material unter dem Essen, eine andere Perspektive oder ein anderer Farbstich. Gut finde ich, dass die finalen Gerichte so angerichtet sind, dass sie nachahmbar sind und das nachgekochte Ergebnis in die gleiche Richtung geht. Der Aufbau des Glossars ist für mich nicht ganz rund und die Kursivschreibung, manche Dopplung und Sortierung letztendlich nicht ganz nachvollziehbar. Ansonsten ist das Buch schlicht und stimmig gesetzt und die Rezepttexte sind ohne Umschweife und verständlich geschrieben.
Für mich wird es wohl eher kein Alltagskochbuch, das irgendwann voll mit Klecksen und Notizen ist, aber durchaus eine immer mal wieder gern in die Hand genommene Inspirationsquelle!


Verlosung
Ich verlose mein Rezensionsexemplar - erzähl mir doch in den Kommentaren, wieso du es gerne hättest! (Teilnahmeschluss 13.03.2017)

Kommentare:

  1. Das klingt interessant. Vor allem das Verwerten von altem Brot... Da hüpf ich doch mal in den Lostopf. Danke! LG Simone

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  2. erst gestern wanderte wieder ein ganzer müllbeutel voll "vergessener" lebensmittel in die tonne - eine schreckliche tat, der der gedanke folgte, dass das wirklich nicht mehr passieren darf... und schon stellst du das perfekte buch dazu vor! tolle rezepte und bilder von kathrin klingen nach einer seeeehr schönen kombination - da mach ich sehr gerne mit!

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  3. Nach Deiner Rezension klingt das Buch sehr toll. Achtsamkeit, Wertschätzung und Kathrins Bilder. ♥

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  4. eine spannende, wertschätzende, ressourcenorientierte Herangehensweise, die es lohnt auszuprobieren! das klingt sehr interessant und ich springe gerne mit in den Lostopf.

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  5. huhu du liebe, warum mich dein buch sehr anspricht ist wegen diesem kapitel
    Kapitel 9: Nichts wegwerfen
    Rezepte, die das Wegwerfen vermeiden und Schalen, Überreifem und Übriggebliebenem eine köstliche Bestimmung geben.
    ich bin ein ganz empfindlicher mensch, was geöffnet wurde und einen tag im kühlschrank ist, will ich schon nichtmehr essen... vielleicht gibt mir das buch ein paar tipps :)
    lg rockstar84@gmx.de

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  6. Das Buch und deine Einschätzung dazu lassen mich sofort an meine Schwester denken, die sich gerade sehr intensiv der Nachhaltigkeit (auch in kulinarischer Hinsicht) widmet. Und da sie zu meinen Lieblingsmenschen zählt, würde ich sie gern mit diesem Buch beglücken. Danke für die Inspiration und den Tipp

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  7. Es sind einige Worte die mich sofort in den Bann ziehen in diesem Artikel!
    ACHTSAMKEIT, Nichts verschwenden, Mottainai, die Welt im positiven Sinne verändern, Projekte, Initiativen und Menschen, Ressourcen schonen, Wertvolles wertschätzen, Reagieren … und: Eine Art, danke zu sagen!
    Falls mir das Losglück nicht hold ist werde ich mir das Buch bestimmt kaufen. Danke für diesen Einblick!

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  8. Kochen mit Resten – Kapitel 9 – hat bei mir ganz viel mit Erinnerung – Kapitel 1 – zu tun, denn das ist die eine, unverrückbare Küchenphilosophie meines Vaters. Ich habe sie – ob ich wollte oder nicht – von klein auf aufgesogen und inzwischen internalisiert. Weil es Wertvolles wertschätzt, Ressourcen schont, die Natur achtet... got it. Darum... wiard I mi frein, über das zitronengelbe Buch!

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  9. Ich finde den Grundgedanken einfach klasse, denn es kommt nicht nur darauf an, WAS wir essen, sondern auch WIE.
    Die Natur und die Produkte wertzuschätzen und nichts zu verschwenden - das sollte für jeden selbstverständlich sein. Ich würde mich sehr über das Buch freuen.

    LG Macaron
    fashion.and.more[at]gmx[punkt]de

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  10. Ich schätze den Ansatz, alles, aber auch wirklich alles zu etwas zu verarbeiten, sehr. Trotzdem verlockt mich Tainas Buch aus einem anderen Grund: Vor etwa einem Jahr hatte sie über meine Hochschule nach Geschirr für das Fotoshooting zum Buch angefragt. Ich hab ihr spontan meine rechteckigen Teller (https://meingefangen.wordpress.com/2014/10/09/ruckschau/) vorbeigebracht. Ich hab seither noch kein einziges Foto gesehen und bin wahnsinnig neugierig, was auf meinen Tellern gelandet ist. Sprichwörtlich.

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  11. Besonders interessiert mich Kapitel 5, da ich mich im letzten Jahr mit Ein- und Haltbarmachen von Lebensmitteln beschäftigt habe. Und ich glaube, das Buch hat noch viele weitere spannende Seiten zu bieten.

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  12. Hallo Julie,

    dieses Kochbuch ist für mich in vielerlei Hinsicht interessant. Es enthält vegetarische und vegane Rezepte. Außerdem ist es sehr persönlich und bietet tolle Denkanstöße und Tips für eine Küche, in der man achtsam mit den Zutaten umgeht und darauf Wert legt, dass nichts verschwendet wird.

    Liebe Grüße von
    Cinnamon
    ibizahippie22(at)web(punkt)de

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  13. ***** DIE GEWINNERIN STEHT FEST *****
    Das Los mit der Nummer 10 hat gewonnen - herzlichen Glückwünsch Franziska, von meingefangen!

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Ich freue mich über eure Worte!