Samstag, 9. Dezember 2017

SIGRIDS PFEFFERKUCHEN


Eigentlich wollte ich das Plätzchenbacken in diesem Advent ziemlich schmerzfrei streichen. Dem Kind ist der Teig einfach noch nicht geheuer - alles zu seiner Zeit. Ich selbst habe auch in diesen Wochen zu viele Ideen für zu wenig Zeit und Energie, also wird nach Wichtigkeit sortiert. Aber ich kam ins Wanken. Mehrfach, weil ich genau die Rezepte entdeckte, die meine Neugierde wecken und von denen ich mir sicher bin, dass sie nicht nur mir gut schmecken werden. Also gibt es nun schon mal einen Vorsatz und einen Zutateneinkaufszettel. Und für euch meine Neuentdeckungen:

  • Bei so viel Schwärmerei bin ich wirklich neugierig, nicht nur laut Micha sind es die wirklich besten Lebkuchen
  • Sehen schön aus und sind nicht so weihnachtsgewürzig: Cranberry-Blätter
  • Auch hier hat mich die Optik angelockt - und die Zutatenliste: Polenta-Shortbread mit Mohn und Blutorangen
  • Quittengelee ist ja mein Plätzchenkleberfavorit. Um im Sinne Ottolenghis nun Vanilletaler zusammenzuhalten, finde ich das gut kombiniert: Gefüllte Vanilleplätzchen mit Quittengelee 
  • Kürzlich fiel es mir nochmal in die Hände: das ausgerissene Rezept für Orangen-Mandel-Schnitten, aus einer "Essen & Trinken für Jeden Tag" Ausgabe aus 2003. Lang ist es her. Sie waren sehr mürbe und mit einer saftigen Mandelorangenmasse gefüllt. Und äußerst akkurat geschnitten, weil mein Papa auch mal mitbacken wollte. Wenn man sich nach so langer Zeit positiv daran erinnert, sind sie wirklich eine Empfehlung wert.

Und wenn ich schon in Plätzchenerinnerungen schwelge, muss ich auch an Sigrids Pfefferkuchen denken. Bis zu meinem sechsten Lebensjahr lebten wir in einer Reihenhausreihe mit großen Fensterfronten und einem geteilten Garten am Stadtrand von Göttingen. Wir lebten im zweiten Haus von links. Im ersten wohnte eine klavierspielende Norwegerin namens Sigrid, die zu allen Festen ihre schöne Tracht anzog. Ihr dänischer Mann hieß Bo, dem ich viel zu lange glaubte, dass er als Zirkusdirektor arbeitet und der meine Mutter jährlich mit einer selbst erlegten und tiefgefrorenen Elchkeule beschenkte und damit nicht nur unseren Tiefkühler überforderte. Sie hatten drei kleine Töchter: Ellen-Marie, Merete und Mariann. Die älteste war etwas jünger als ich. Ich freute mich über solche Spielkameradinnen. Sie hatten alle drei lange Haare und immer die schönsten Zöpfe. Neben dem Friesierspiegel hing ein ganzer Regenbogen aus Schleifenbändern, den ich mir immer wieder verzückt anschaute. Ich weiß noch genau wie es sich anfühlt, die gleichlangen Bänder mit den Fingern der Länge nach entlang zu streichen. Die roten aus Samt waren nur für ganz besondere Anlässe und ich muss wohl kaum erwähnen, dass die drei Mädchen dann natürlich auch jeweils eine Festtracht und wunderschöne Haarkränze trugen. Manchmal machte Sigrid auch meine Haare, als sie endlich lang genug für eine Flechtfrisur waren. Meine Wangen leuchteten dann aufgeregt mit den Samtbändern um die Wette.
Sigrid und Bo feierten gerne Feste. Fröhlich und ausgelassen. Und bei keinem Fest durften ihre dünnen Pfefferkuchen fehlen, deren Duft verlockend einmal die gesamte Reihenhauslänge entlang zog. Im Sommer wie im Winter. Dieser Duft! Und dieser Geschmack, wenn sie noch ein bisschen warm und so herrlich knusprig waren. Manchmal durften wir beim Ausstechen helfen. Sogar der Geschmack des Plätzchenteigs liegt mir heute noch so präsent auf der Zunge. Seitdem weiß ich wie gemahlene Nelken und all die anderen dunklen Weihnachtsgewürze schmecken.

Es ist nicht ganz das Gleiche, wenn ich die Pfefferkuchen nun alleine backe. Aber wenn ich an der Schüssel rieche stehe ich wieder zwischen Zöpfen und Töpfen in Göttingen und denke an eine unbeschwerte Kleinkinderzeit zurück, die nicht nur aus diesen Erinnerungen besteht...


SIGRIDS PFEFFERKUCHEN
50 g weiche Butter
150 g Zucker
65 ml Zuckerrübensirup
65 ml lauwarmes Wasser
1 TL Zimtpulver
1 TL Ingwerpulver
1 TL gemahlene Nelken
1 TL Hirschhornsalz
270-300 g Mehl

Aus den Zutaten einen geschmeidigen und nicht zu klebrigen Teig herstellen und über Nacht kühl stellen.

Auf Mehl sehr dünn ausrollen, nach Belieben ausstechen und auf Blechen mit Backpapier verteilen.

Bei 200 °C Umluft ca. fünf Minuten backen (gut im Auge behalten, die Plätzchen verbrennen schnell!)

Teigreste lassen sich noch einige Tage kühlen und zu einem anderen Zeitpunkt backen. 

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Hast du in diesem Jahr eine Plätzchenneuentdeckung?


1 Kommentar:

Ich freue mich über eure Worte!